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Surselva

Valendas-Sagogn Station–Versam-Safien Station–Conn–Lag la Cauma–Flims Waldhaus


Auf gutem Uferweg durch die wildromantische Rheinschlucht. Das Weiß der Kalkfelsen wechselt sich ab mit dem Grün des Auenwalds, dazu kommt das Blau des Rheinwassers. Die Aussichtsplattform bei Conn macht Tiefblicke der besonderen Art möglich, zuletzt lockt der Lag la Cauma zu einem Bade.

  • Auch für Familien geeignet. Der Wasserstand des Rheins schwankt je nach Wetterlage sehr stark, deshalb ist beim Baden Vorsicht geboten. Schwierigkeit T2.
  • Beste Jahreszeit: von April bis Oktober
  • Verkehrsmittel
: von Chur mit der Rhätischen Bahn nach Valendas-Sagogn Station.
    Von Flims Waldhaus mit Postauto über Laax nach Ilanz oder direkt nach Chur.
    Ruinaulta-Ticket: Einen Tag beliebige Fahrten mit Bahn und Postauto, Tel. 081 288 43 30, www.rhb.ch.
  • Variante: Von Trin Ransun nach Trin Mulin (1 h, T1) oder nach Trin Vitg (1 h 15, T1).

Übernachten, Gasthäuser

  • Valendas
    Verschiedene Angebote, s. Route 8, Seite 125 oder www.valendas.ch.
    Linx Beizli und Bed & Breakfast, Tel. 081 645 11 91 oder 081 630 53 25, www.linx-beizli.ch.
  • Flims
    Uaul pign garni, Tel. 081 911 13 39/911 27 89, DZ m.Frst. 75 CHF p.P.
    Mira Val, Tel. 081 911 12 50, www.hotelmiraval.ch, DZ m.Frst. 65–90 CHF p.P.
    Hotel Cresta, Tel. 081 911 35 35, DZ mit Frst. 99–105 CHF p.P.
    Ausflugsrestaurant Conn, Tel. 081 911 12 31, www.conn.ch.
    Restaurant und Lounge beim Lag la Cauma, Öffnungszeiten Juni–Okt., Tel. 081 911 11 33,
    www.caumasee-flims.ch. Verschiedene weitere Angebote s. www.flims.ch.
  • Information: Ruinaulta: www.ruinaulta.ch.
  • Karten: 247 Sardona (1:50 000)
  • Literatur: Ardüser/Lampert 2001, Meier 2008, Steinmann u.a. 2008.

Route

Wir starten bei der Bahnstation Valendas-Sagogn (669m). Die Wegweiser am Bahnhofgebäude zeigen die Route an, die vorerst rechts des Bahntrassees, dann links davon verläuft. Wenn wir zurückblicken, wird mit zunehmender Gehdistanz der Piz Mundaun, die Rigi der Surselva, kleiner und kleiner. Nach der Passage entlang der Galerie tauchen wir in den Auenwald ein. Beim Carrera-Bach verweist die Schautafel auf das Naturschutzgebiet. Von Mitte April bis Mitte Juli dürfen die Inseln und Kiesbänke, die bei jedem Hochwasser vom Vorderrhein neu geformt werden, nicht begangen werden, um bedrohte Brutvögel wie die Flussuferläufer und Flussregenpfeifer nicht zu gefährden. In dieser Periode finden die Eiablage, Bebrütung und Führung der Jungen statt. In der Schweiz brüten von diesen beiden Arten nur noch je 80 bis 120 Paare, die Hälfte davon im Kanton Graubünden. Nicht zuletzt deshalb sind die Rheinauen von nationaler Bedeutung.

Der weitere Routenverlauf ist auf den ersten Blick nicht ganz einsichtig, da die geschützten Auengebiete umgangen werden müssen (Verbotstafel flussabwärts). Bei der Schautafel biegen wir in einem spitzen Winkel links ab, unterqueren eine Brücke und folgen dem Wegweiser in Richtung Versam. Für wenige Minuten folgen wir dem Seitenbach, um dann links abzubiegen. Kurz bevor der Rhein eine Kurve macht, schwenken wir auf einen schmalen Pfad nach rechts ein oder wir nehmen die untere Variante über die Wiesenfläche. Vom Kulminationspunkt fällt der Blick auf die Skigebiete des Crap Sogn Gion und des Flimsersteins. In Kehren führt der Weg durch Nadelwald an das Rheinufer zurück. Es folgt eine der vielen Picknickstellen mit einer geografischen Übersichtstafel. Von hier sind es noch zwei Kilometer bis zur Bahnstation von Versam, von wo der Autobus ins abgelegene Safiental fährt (s. Seite 120). Das letzte Teilstück verläuft auf einem Naturwall aus Gesteinsgeschiebe. Rechter Hand türmen sich weiße Kalkfelsen und Erdpyramiden auf, während an der Uferböschung das Grün der Auenvegetation leuchtet und die Wasseroberfläche im Sonnenlicht glitzert. Die bis zu vierhundert Meter hohen Steilwände mit ihren bizarren Formen, Säulen und Pfeilern schaffen je nach Lichteinfall eine fast mystische Atmosphäre. Dazu gesellt sich das unaufhörliche Rauschen des Rheins, das uns noch eine Weile begleiten wird. So gelangen wir zur Bahnstation Versam-Safien (635 m).

Am Ende des Parkplatzes überqueren wir die Bahnlinie, wo der Wegweiser auf Trin verweist. Feuerstellen und Rastplätze hat es beim Ufer zur Genüge. Bei den Badeplätzen ist indes Vorsicht geboten, da der Abtragungsprozess der Gesteinsschichten noch in Gange ist. Deshalb besteht die Gefahr von Steinschlag. Informationstafeln geben Auskunft über das Naturschutzgebiet Versamer Auenwald. Wiederum folgen wir dem Hauptweg rheinabwärts. Der Rhein schlägt hier gleich zwei Haken, der Uferweg verläuft zwischen Bahnlinie und dem Flussbett. Auch hier schießen Kalkfelsen in die Höhe, linker Hand fällt der Blick auf die Aussichtsplattform Conn. Für ein kurzes Stück kommen wir ins Schnaufen. Oben auf dem Wall ist schön zu sehen, wie sich der Rhein im Laufe der Zeit seinen Weg durch den Schutt gebahnt hat. Ihre wildromantische Schönheit verdankt die Rheinschlucht einer Naturkatastrophe, dem prähistorischen Flimser Bergsturz am Ende der Eiszeit. Gewaltige Mengen Kalkfels donnerten vom Flimserstein in die Tiefe und verschütteten den Rhein. In der Ebene von Ilanz staute sich der Vorderrhein zu einem See, welcher sich in der Folge seinen eigenen Abfluss schuf und so die Ruinaulta formte. Nach rechts hinunter führt die Route weiter in Richtung Trin. Trocken ist es hier, unzählige Schmetterlinge flattern durch die Luft, der Wald sorgt für kühlenden Schatten. Im Naturschutzgebiet Chrummwag sind die Wandernden gebeten, die Wege nicht zu verlassen und die offiziellen Feuerstellen zu gebrauchen. Auf der Eisenbahnbrücke überqueren wir sicher den Rhein. Dann folgt der steile Aufstieg, der im Sommer ganz schön schweißtreibend sein kann.

Für Abwechslung sorgt eine botanische und streng geschützte Rarität: Der Frauenschuh, eine Orchideenart, ist im Frühsommer links und rechts des Pfades unübersehbar. Seine Blüten zählen zu den größten unserer Flora und sogar der europäischen Orchideen insgesamt. Wie die traditionellen holländischen Schuhe kommen sie daher. Die große gelbe Blüte ist eine raffinierte Kesselfalle für Insekten. Angelockt durch Farbe und Duft, gerät ein Insekt über den glitschigen Rand ins Innere des »Schuhs«. Dort lenken Fensterchen und eine Treppe aus Haaren den Besucher zum einzigen Ausgang – allerdings nicht gratis! Auf dem Weg dorthin wird dem Insekt nämlich ein Pollenpaket aufgeklebt, das es unfreiwillig bis zur nächsten Blüte weiterträgt. Wiederum in der Falle, wird ihm über einen Mechanismus das Paket abgenommen und gleich ein neues mitgegeben. Die Pflanze benützt den fremden Pollen zur eigenen Bestäubung und sichert so ihren Fortbestand. Bemerkenswert ist dabei die lange Entwicklungszeit bis zur ausgewachsenen Pflanze. Zuerst nimmt diese über den Wurzelpilz Nahrung auf. Erst im vierten Jahr legt sie das erste grüne Blatt an.

Oben angekommen, legen wir eine Pause ein und können dabei die Aussicht genießen. Im Osten ist der Einschnitt des Hinterrheins auszumachen, der vom Domleschg herkommt. Direkt gegenüber, auf der anderen Seite der Rheinschlucht, erstreckt sich das lang gezogene Safiental. Dessen Wasser sammeln sich in der Rabiusa, die sich bei Versam in den Vorderhein ergießt. Dieser wiederum wird sich bei Reichenau mit dem Hinterrhein vereinigen. Vom Rastplatz wenden wir uns nach Norden und folgen dem Wegweiser in Richtung Conn. Nach einem leichten Anstieg zweigen wir links ab. In der Folge halten wir uns im dichten Wald immer an die Wegweiser nach Conn. Im wiederum offenen Gelände ist im Norden der mächtige Crap da Flém, der Flimserstein, unübersehbar. Die Abbruchkante des prähistorischen Bergsturzes, der die Ruinaulta geschaffen hat, zeichnet sich am obersten Rand der Felswand ab. Der Flimserstein bildet die südliche Grenze der Tektonikarena Sardona, die sich zwischen Elm, Flums, Bad Ragaz und Flims erstreckt. Im Jahre 2008 wurde dieses Gebiet aufgrund seiner geologischen Besonderheiten als UNESCO-Naturwelterbe ausgezeichnet.

Bei den folgenden zwei Abzweigungen biegen wir links ab. So gelangen wir zur spektakulären Aussichtsplattform Spir bei Conn (970m), die einen schwindelerregenden Tiefblick in die Rheinschlucht garantiert. Auf der gegenüberliegenden Seite ist der letzte Teil der Tour von Ober Dutjen nach Valendas nachzuvollziehen (s. Seite 140), darüber thront das Bergmassiv der Signina-Gruppe. Zurück bei der Lichtung kann man im Ausflugsrestaurant einkehren. Für ein kurzes Stück folgen wir der Krete in Richtung Westen, die Tiefblicke in die Ruinaulta erlaubt. Bei der folgenden Verzweigung halten wir uns rechts und in der Folge auf den breiten Waldwegen stets an die Richtungsangabe Flims Waldhaus. Unvermittelt breitet sich vor unseren Augen der Caumasee aus, den wir auf dessen rechter Seite umgehen. Der Lag la Cauma (997m) wird unterirdisch vom Lag Prau Tuleritg gespeist. Alle Seen rund um Flims entstanden wie die Rheinschlucht als Folge des Flimser Bergsturzes. Hinauf nach Flims Waldhaus haben wir gleich drei Varianten zur Auswahl: mit der Standseilbahn oder zu Fuß auf dem kehrenreichen breiten Weg oder dem direkt hinaufführenden Pfad. Ganz zuletzt führt ein Laternenweg bequem nach Flims Waldhaus (1110 m). Beim Parkplatz halten wir links und gelangen so zur Postautostation.