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Surselva

Lange Wege unter schwindenden Gletschern

Curaglia–Camona da Medel–Val Lavaz–Alp Val Tenigia–
Tenigerbad


Von der Lukmanierpassroute führt die Tour durch die seitliche Val Plattas zum Nordfuß des Medelsgebirges. Über die schmale Fuorcla da Lavaz queren wir zu den rauen Flanken und weitläufigen Weiden der Alpen Lavaz und Rentiert Dadens und steigen über einen steilen Abhang in die Val Sumvitg.

Wanderzeiten

  • Curaglia–Stavels Veders    1 h 45
  • Stavels Veders–Camona da Medel    1 h 45
  • Camona da Medel–Alp Rentiert 
Dadens    1 h 45
  • Alp Rentiert Dadens–Alp Val Tenigia    1 h 15
  • Alp Val Tenigia–Bogn Tenigia/
Tenigerbad    1 h
  • Totale Wanderzeit    7 h 30
  • Höhendifferenz: X 1400 m, V 1050 m

Sehenswertes

  • A    Ebene und Gletscherblick von Stavels Veders
  • B    Hüttenarchitektur Camona da Medel
  • C    Blick von der Alp Rentiert Dadens in die schroffen Wände des Piz Valdraus und Piz Vigliuz
  • C    Rein da Sumvitg im Felsenbett zwischen Plauncas da Carpet und Encardens

Charakter

Lange, abwechslungsreiche und anspruchsvolle Wanderung durch steile Gebirgswälder, über Alpweiden und abschüssige Halden mit Ausblicken auf Täler, Gletscher und Gipfel. 
Schwierigkeit T2/T3.

Beste Jahreszeit

Ende Juni bis Mitte Oktober

Verkehrsmittel

C•    Mit der RhB oder der Matterhorn Gotthard Bahn nach Disentis/Mustér und von dort mit dem Postauto nach Curaglia (Medel).
•C    Mit der RhB nach Chur und weiter mit den SBB oder nach Disentis und weiter mit der Matterhorn Gotthard Bahn.
bus alpin von Runcahez oder Bogn Val Tenigia bis Sumvitg-Cumpadials und Rabius-Surrein. Anfang Juli bis Anfang Okt.: Fr, Sa, So gemäß Fahrplan, letzte Fahrt um 16 Uhr. Mo bis Do privater Taxibetrieb, Tel. 079 357 85 74
Varianten
1    Von Fuorns (Postautohaltestelle) über die Alp Puzzetta und die Fuorcla dalla Buora nach Stavels Veders. Diese Route ist anspruchsvoll, bei schönem Wetter aber sehr lohnend. Sie ist 1 h 15 länger als der direkte Hüttenweg von Curaglia durch die Val Platta. T3.
2    Von der Alp Rentiert Dadens über die Alp Rentiert Dado in 2 h 45 zum Bogn Tenigia/Tenigerbad.T3.
Kombinationen
1    Mehrtagestour in Verbindung mit Route 4: Von der Camona da Medel über den Glatscher da Lavaz zur Fuorcla Sura da Lavaz und hinunter auf den Passo della Greina. Alpine, blau-weiß markierte Route. 3 h, X 520 m, V 560 m, T4.
2    Mehrtagestour in Verbindung mit Route 4: Von Encardens (Punkt 1383) in der Val Sumvitg zur Camona da Terri, X 800 m, T2.

Übernachten, Gasthäuser

  • Curaglia
    Hotel Vallatscha, Tel. 081 936 44 90, www.vallatscha.com. Das 100-jährige Haus ist nach den Plänen des lokalen Architekturbüros Gujan und Pally renoviert und erweitert worden. Klare Formen verleihen Eleganz, der unebene Riemenboden in der Gaststube ist eine Reverenz an die Vergangenheit. Bauernfamilien vom Ort liefern gesunde Nahrungsmittel für die feine Küche. DZ m.Frst. 70 CHF p.P., Mi Ruhetag.
    à Camona da Medel CAS, Tel. 081 949 14 03, www.medelserhuette.ch.
  • Val
    Ustria Val, Tel. 081 943 11 96, DZ m.Frst. 70 CHF p.P., Mo Ruhetag. Ca. 2 km von Tenigerbad talauswärts.

Information

  • Gemeinde Medel, Tel. 081 920 33 66, www.medel.ch.
  • Gemeinde Sumvitg, Tel. 081 920 25 00, www.sumvitg.ch.

Karten

  • 1213 Trun (1:25 000)
  • 1233 Greina (1:25 000)
  • 256 Disentis/Mustér (1:50 000)

Literatur

Derichsweiler 1986, Egloff 1982, Goetz 2003, Krummenacher 2010, Kuhn 2008.

Route

Der Ausgangspunkt der Tour ist Curaglia (1332m), das nördlichste und größte Dorf der Gemeinde Medel an der Lukmanierpassstraße. Die Länge der vorgesehenen Tour sollte nicht unterschätzt werden. Ein früher Aufbruch lohnt sich, wenn wir sie in einem Tag machen und nicht in der Medelserhütte übernachten wollen. Der letzte bus alpin fährt um 16 Uhr an unserem Zielort ab.
Vom Gemeindehaus, wo sich auch die Postautohaltestelle befindet, gehen wir rechts an der Kirche vorbei und die schmale Dorfgasse hinauf. Diese führt als Wiesenweg weiter, links an der Säge vorbei in ein Waldstück über dem Rein da Plattas. Die Resgia Communala, wie die Gemeindesäge auf Romanisch heißt, verarbeitet das anfallende Holz aus den Gemeindewäldern, insbesondere das Holz der Lärche, die hier häufiger vorkommt als in anderen Gebieten der Surselva.
Unser Weg verläuft für ein kurzes Stück auf der Senda dils sens, dem Themenweg der Sinne. Wir sind aber bald wieder auf der Straße, die zu den Maiensäßsiedlungen Biscuolm und Gliarauns sowie weiter auf den Crap Stagias (1972m) führt. Bei der ersten Verzweigung folgen wir dem Wegweiser zu Medelserhütte.
Zum Glück hat der Teerbelag bald ein Ende und wir wandern auf der Naturstraße weiter bis zur Holztafel bei der Brücke, die nach Pardatsch führt. Die durch ein schmales Schindeldach geschützten Tafeln informieren über das Eidgenössische Jagdbanngebiet Piz Vial-Greina, das wir auf unserer Route durchqueren werden. Eine am Wegweiser fixierte Tafel macht uns mit den Namen der Gastgeber der Camona da Medel und der Marke des Biers, das wir dann in der Hütte trinken können, bekannt. Hinter den Tafeln füllt der Piz Medel mit seinem Gletscher das Blickfeld aus.
Die Fahrstraße wird jetzt zum Alpweg, der uns rechts des Flusses über eine Stufe nach Stavels Veders (1965m) bringt. Hier überqueren wir den Bach und wandern zuerst flach, dann über der Alp Sura stärker ansteigend auf dem gut markierten Hüttenweg. Hier mündet die Varianten-Route von der Fuorcla dalla Buora (2292m) in unseren Pfad. Wir sehen die Wegspuren, die über steile und steinige Grashalden auf der gegenüberliegenden Talseite herunterführen. Der Ausschnitt der Fuorcla scheint eng.
Tatsächlich sind die Zugänge zum Übergang im oberen Teil felsig, abschüssig und nur bei trockenem Wetter und guten Sichtverhältnissen zu empfehlen. Dann ist es aber auf dem Übergang, der von Fuorns, der südlichsten ständig bewohnten Siedlung der Val Medel, über die Ziegenalp Puzzetta Sut mit ihren modernen roten Ställen hierherführt, so schön wie in den oberen Rängen eines Theaters. Bühne und Kulisse bildet das Medelser Gebirge, zuoberst über Schnee und Eis sitzen die Gneisggipfel wie große Figuren. Eine davon heißt Piz a Spescha – sie ist nach dem berühmten Disentiser Pater und Frühalpinisten benannt.
Der Aufstieg zur Klubhütte zehrt, Ablenkung bringen der Anblick der Gletschervorfelder und der Sturzbäche, die über die einst mit Eis bedeckten Buckel fließen, und das Farbenspektrum von Blumen, Steinen und Flechten am Wegrand. An den steilsten Stellen unter der Camona da Medel (2524m) ist der Pfad eine bequeme Treppe aus Gneisstufen, die in die Grashalde verlegt sind. Die Medelserhütte der SAC-Sektion Uto befindet sich etwas über der Fuorcla da Lavaz an aussichtsreicher und sonniger Lage. Nach der Sanierung und Erweiterung nach Plänen des Architektenteams Gujan und Pally hat die Hütte Platz für 55 Personen. Innenausbau und Außenhülle sind modern gehalten. Der neue Anbau, ausgesetzt gegen Westen, erhielt eine Außenhülle aus silberfarbigem Uginox-Blech. Es lohnt sich, in die Hütte einzutreten, sich zu stärken und den Ausblick durch die Panoramafenster zu genießen.
Nun wäre es möglich, von der Medelserhütte über die Fuorcla da Lavaz zum Bach, der nach Osten talauswärts fließt, abzusteigen, diesen auf etwa 2300 Metern am Rand einer Felsrippe zu überschreiten und gegen Süden über einen kleinen Gletscher zur Fuorcla Sura da Lavaz aufzusteigen, dem Übergang zum Passo della Greina (vgl. Route 4, Seite 78).
Die von uns gewählte Route führt aber nicht über den Schnee, sondern hinunter zu den ausgedehnten Weiden der Schafalp Lavaz. Wir queren von der Hütte aus zuerst nach Norden gegen den Lai Encarden – ein Abstecher dahin lohnt sich –, dann nach Osten bis zur Alphütte unterhalb der Fuorcla da Stavelatsch. Die nächsten paar Hundert Meter auf flachen Weiden sind angenehm und erlauben Ausblicke auf die schroffen Gipfel des Piz Valdraus, des Piz Gaglianera und des Piz Vial. Die Gletscher sind voller Schrunden und trotz ihrer Lage an den Nordflanken der Berge am Schwinden.
Das Gehen erfordert jetzt mehr Konzentration, denn das Gelände wird ruppiger. Die Route führt einem Steilhang entlang mal etwas hinauf, dann wieder hinunter bis Cuolmet auf der Alp Rentiert Dadens (2089m). Hier auf 2100 Metern zeigt der Wegweiser zwei Abstiegsrouten an. Nach links führt der etwas mühsame Höhenweg durch die Val Dadens, ein Zwischentälchen am Westhang der Val Sumvitg. Diese Variante führt an der Hütte von Alp Rentiert Dado (2005m) vorbei in die Val Vallesa und zum Tenigerbad.
Wir wählen die markierten Pfadspuren, die in östlicher Richtung über Muletg da Cauras, einst eine Ziegenweide, zuerst durch offenes, dann mehr und mehr verbuschtes und schließlich bewaldetes Gelände im Zickzack steil hinunter zur Alp Val Tenigia (1332m) im hinteren Abschnitt der Val Sumvitg führen. Dieser Weg kreuzt die Route zur Camona da Terri (2170m) und bietet die zweite Möglichkeit, unsere Tour mit Route 4 zu kombinieren. Wir gehen talauswärts, überschreiten nach etwa einem Kilometer den Rein da Sumvitg und erreichen auf einem Fahrsträßchen bald Runcahez, von wo der bus alpin fährt. Auf einem sanft ansteigenden Waldweg geht es hinauf zum Bogn Tenigia/Tenigerbad (1305m).