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Bäderfahrten

Bagni di Bormio

Oben oder unten? Beides!

Von den ruhigen Gewässern der Arciduchessa geht es unter die donnernden Wasserstürze in den Garibaldi-Gewölben, man taucht in das sanfte Plätschern des Ferdinandea-Beckens, lässt sich in den Sprudelbecken Vittorio Emanuele III nochmals durchwalken und tappt zu guter Letzt über eine enge Holztreppe ins kleine Freibad mit grandioser Aussicht. Alles in grünlichem Schiefer aus dem Tal und die Wasserkännel aus Holz. Einen Stock tiefer, in den mittelalterlichen Gewölben der Bagni Vecchi, des alten Badehospizes, das wie ein Adlernest am Hang klebt, findet sich eine Wellnesszone mit Sauna und Fango aus neuester Zeit. Im Sudatorio, einem Bergstollen, rinnt seit 1830 der Schweiß. Und in den Bagni Romani kann man die Zeit vergessen. Die beiden schlichten, in den Fels gehauenen Kavernen gab es schon, als im 11. Jahrhundert das Kirchlein San Martino errichtet wurde, als das Pilgerhospiz und das Armenbad nebenan entstanden, als Lodovico il Moro zur Kur kam, als Leonardo da Vinci von den Bädern zu Bormio berichtete, als die Herrschaften aus Graubünden mit Sack und Pack zur sommerlichen Badekur vorfuhren, als Garibaldi vorbeikam und österreichische Erzherzoginnen, als das exklusive Grandhotel der Bagni Nuovi unten im Park gebaut wurde, als Krieg war und wieder Frieden und Bormio zur Skimetropole explodierte.

Seit auch die Bagni Nuovi aus dem 19. Jahrhundert, nach jahrzehntelangem Schlaf und sorgfältiger Renovation, wieder eröffnet worden sind, hat man als Gast endgültig die Qual der Wahl. Im Grandhotel gehts eine Spur eleganter zu und her, auch beim Baden: von Venus über Nymphen und Elfen zu Neptun, vom Tonnengewölbe hinaus in den neu angelegten Badegarten, vom Hamam zum Bad in Rosenblättern.

Abends sind alle vereint: Ob man »oben« in den Bagni Vecchi oder »unten« in den Bagni Nuovi abgestiegen ist, man diniert »unten«. Gediegen italienisch in verschwenderischem Dekor. Der Speisesaal ist 1891 von der renommierten Zürcher Architektengemeinschaft Chiodera und Tschudy (die auch Badrutts Palace in St. Moritz auf dem Gewissen hat) kreiert worden, gerade richtig für einen Badepalast in seiner Hochblüte.

Nach Abendessen und Braulio in der großzügigen Bar lässt sich gemütlich durch den Park hinauf spazieren. Zurück zum kleinen Arvensalon mit den Sofas aus der vorletzten Jahrhundertwende, zurück zu den gemütlichen Kammern mit polierten Riemenböden und geschliffenem Schiefer im Badezimmer.

»Und«, will der Fahrer des Shuttlebusses, der die Hotelgäste zwischen den beiden Hotels und ihren Anlagen hin und herfährt, wissen, »welches Bad gefällt Ihnen besser?«

Details

*****Bagni Nuovi und ****Bagni Vecchi, I-23032 Bormio
Tel. 0039 0342 910131, Fax 0039 0342 911576, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. , www.bagnidibormio.it

Ganzes Jahr offen
HP im DZ pro Person und Tag, mit Zutritt zu allen Badeanlagen in den Bagni Vecchi und Nuovi sowie Shuttle zwischen den Hotels:

Bagni Vecchi ab 85 Euro, Bagni Nuovi ab 88 Euro (je nach Wochentag und Jahreszeit, offizieller Mindestaufenthalt 2 Tage, im August 3 Tage). Details siehe Homepage (wo die günstigste Zimmerkategorie »Argento« nicht aufgeführt ist; allenfalls danach fragen).

Bäderanlagen: Eintritt für Passanten oben wie unten 25–32 Euro (kein Zutritt unter 14 Jahren, Öffnungszeiten siehe Homepage).
Bagni Romani, bis 5 Personen, 1 Stunde: 75–100 Euro (auch für Hotelgäste).

Ruftaxi Bormio-Bagni (und umgekehrt), 4 Euro für 1-4 Personen, Tel. 0039 333 6106069 oder 0039 338 7862303 oder 0039 338 3257830.

Bus: Haltestelle Molina-Bagni an der Linie Bormio-Livigno (5 Minuten unterhalb der Bagni Nuovi) sowie Bagni Vecchi an der Linie Bormio-Stelvio (nur Hochsommer).

2. Auflage, 2004