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Die Röstigraben-Route

Falli Hölli

Selten trifft der Name eines Ortes besser auf ein katastrophales Ereignis zu als im Falle der Falli Hölli.

„Es war, als falle die Chaletsiedlung Falli Hölli zur Hölle“, schrieb Walter Däpp im „Bund“, zehn Jahre nach der Katastrophe von 1994. Damals kam an der Westseite des Grossen Schwybergs eine ganze Bergflanke mit 37 Häusern ins Rutschen - erst langsam, dann immer schneller, zum Höllbach hinunter. Heute ist von der gesamten Ferienhaussiedlung nichts mehr als ein brauner Fleck in der Landschaft zu sehen.

„Man hat das Gefühl“, sagte der Plasselber Gemeindeammann René Babst zum „Bund“, „als ob der Berg die Häuser schluckte.“ Weiter beschreibt der „Bund“: „Die unaufhaltsam von der Schwyberg-Krete herunterstossenden Erdmassen hatten die 37 Chalets und Häuser, auch das Hotel-Restaurant Falli Hölli, wie Spielzeughäuschen weggeschoben, in Schräglage versetzt oder zum Einsturz gebracht. Die Zubringerstrasse und der Skilift waren um zwanzig bis dreissig Meter verschoben, der Asphalt war aufgeworfen. Zwischenhinein hörte man es im Gebälk der Chaletruinen krachen - ein unheimliches Indiz dafür, dass sich der bis zu 700 Meter breite und 2 Kilometer lange Hang gefährlich bewegte.

Bereits im März 1994 hatte man in der Chleuwena, oberhalb von Falli Hölli, bei Arbeiten für die Trinkwasserversorgung eine schmale Rutschzunge festgestellt, im April 1994 kam es zu ersten Rissen an einzelnen Häusern. Später bewegte sich der Hang mit einer Geschwindigkeit von bis zu 6,2 m pro Tag Richtung Höllbach, dessen Bett im Laufe der Sommermonate 1994 aufgefüllt und um 20 Meter angehoben wurde. Um insgesamt 200 m verschob sich die bis zu 40 Meter dicke Schicht aus Lockergestein, Felsbrocken, Lehm und Morast schliesslich nach unten - auf einem felsigen Untergrund, wie auf einer Rutschbahn. Das in Bewegung geratene Hangvolumen betrug 33 Millionen Kubikmeter, wie der Geologe Hugo Raetzo später errechnete. Das entsprach den Felsmassen, die 1991 bei Randa heruntergestürzt waren.“ (Siehe Seite ..)

Dass gegen solche Naturgewalten nichts auszurichten war, ist schnell klar, doch warum hat man in einer Rutschzone überhaupt eine Ferienhaussiedlung gebaut? Tatsächlich hat sich die vorletzte Hangrutschung in der Chleuwena bereits im Jahr 1612 ereignet, wie der Geologe Hugo Raetzo in seiner Dissertation herausfand. Das wusste im 20. Jahrhundert natürlich niemand mehr. So begrüssten denn die Plasselber Behörden Ende der 1960er Jahre ein Gutachten des Berner Tourismusprofessors Jost Krippendorf, das den Bau von Ferienhäusern im Hinterland von Plasselb empfahl. Trotz zahlreicher Warnungen von Geologen wurde das Feriensiedlungsprojekt durchgepaukt. 1969 erhielt das Hotel-Restaurant Falli Hölli die Baubewilligung. Zwischen 1973 und 1990 wurden die Ferienchalets erstellt. Alle Mahnungen der Experten wurden überhört. Am Unmissverständlichsten warnte der Geologe Gottfried Schmid 1968 in einem Gutachten für das Freiburger Bauinspektorat: „Man kann ruhig sagen, dass die Bodenverhältnisse sehr ungünstig sind für die Stabilität des Bauobjekts. (. . .) Ausserdem muss innerhalb dieser alten Rutschgebiete mit Kriechbewegungen gerechnet werden. Dies bedeutet ein äusserst langsames Gleiten der Lockergesteinsmassen gegen den Höllbach hinunter.“

Genau dies traf denn auch ein. Am 4. August 1994 beobachteten zwei Geologen, dass sich das gesamte Terrain mit den Häusern, der Strasse und dem Skilift 4 bis 7 Meter pro Tag talwärts bewegte. „Die Gebäude wurden schief gestellt, von Erdmassen gerammt und zerrissen - wie Schiffe im Sturm“, berichteten sie. Immerhin übernahmen die Versicherungen den grössten Teil der Schäden von 15 Millionen Franken. Ob es für die verantwortlichen Baubehörden noch ein juristisches Nachspiel gibt, ist nicht sicher.

Quellen: Walter Däpp in: Der Bund, 30. Juli 2004.     www.unifr.ch.ch/spc/UF/95fevrier/raetzo.html