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Abruzzen Wilde Wege, stille Dörfer...

12 Etappe Castrovalva-Scanno, 5 h 10

Traumpfade über der Sagittario-Schlucht

Auf der wunderbaren, abwechslungsreichen Tour führt jeder Abschnitt durch faszinierende Landschaften. Von Castrovalva steigt man mit weiten Ausblicken über schöne Bergmatten an, gelangt dann zum malerischen Ruinendorf Frattura Vecchia, wandert mit herrlichem Panorama hoch über dem Tal von Scanno, steigt schließlich über romantische Waldpfade ab. Stundenlang begegnet man in der einsamen Gegend keinem Menschen. Scanno, einer der schönsten und interessantesten Abruzzen-Orte, bildet den würdigen Abschluss der Wanderung.

Ort Höhe Dauer
Castrovalva 820m
Fontana Cona 1348m 1h 50min
L'Immacolata 1428m 2h 00min
Frattura Vecchia 1251m 2h 30min
Frattura 1310m 3h 00min
Fontana Malvascione 1377m 3h 25min
Wegkreuzung 30/31 1364m 4h 05min
Scanno 1015m 5h 10min

Höhendifferenz: Aufstieg 940 m, Abstieg 750 m

Verpflegung:
Trinkwasser an der Cona-Quelle (1 h 50), in Frattura Vecchia (2 h 30), an der Fontana Malvascione (3 h 25), am oberen Ende des Vallone delle Croci (4 h 10).

Markierungen: Von Castrovalva bis Frattura Vecchia sparsam (rot-weiß), Frattura Vecchia-Frattura ohne Markierung, von Frattura bis zur Straße unterhalb Scanno gut markiert (rot-weiß-rot).

Abkürzung: Busse Frattura-Scanno nur Di und Sa 15.30 Uhr.

GPS-Wegpunkte (Zonenfeld 33T)): 0402.026 4648.330 (Abzw. Wanderweg), 0403.612 4647.299 (Sattel), 0404.555 4646.015 (Bachbett), 0404.793 4645.720 (Fontana Cona), 0404.998 4645.378 (L'Immacolata), 0405.843 4643.842 (Frattura Vecchia), 0405.956 4643.043 (Talgrund unterhalb Frattura Vecchia), 0406.466 4642.731 (Straße oberhalb Frattura), 0407.463 4642.105 (Fontana Malvascione), 0408.607 4641.344 (Bachbett), 0408.863 4640.780 (Kreuzung Wege 30/31), 0407.167 4640.580 (Straße), 0407.224 4639.745 (Scanno).

Etappenort Scanno

Übernachten: Es gibt im Ort rund ein Dutzend Hotels, die meisten sind eher anonym.
Der klobige Bau des ***Le Focette am Ortsrand wirkt von außen nicht gerade einladend, aber der Empfang ist freundlich, die Räume ordentlich eingerichtet, die Matratzen angenehm fest, die Leitung auf Wanderer eingestellt - also alles in Ordnung! Viale del Lago 24, Tel. 0864 74 320, Fax 0864 747 705, www.lefocette.it. DZ 60 Euro (Karte: A).
Etwas einfacher und preisgünstiger, ebenfalls völlig akzeptabel, ist das **Belvedere. Es liegt am Altstadtrand an der Lieblingspiazza der Einheimischen, daher nimmt man besser die Zimmer nach hinten, mit schöner Aussicht übers Tal. Piazza Santa Maria della Valle 3, Tel. 0864 74 314, Fax 0864 747 420, www.belvederescanno.it, DZF 52 Euro (B).
Das komfortable ***Miramonti liegt 10 Min. außerhalb der Altstadt am Hang, aus den Zimmern mit Balkon (entsprechend reservieren!) schöner Blick auf Scanno und die Berge. Die Einzelzimmer sind ziemlich klein. Via Domenico di Rienzo 32, Tel. 0864 74 369, Fax 0864 74 417, www.albergomiramontiscanno.it, DZ 70 Euro (C).
B & B La Casa di Costanza, persönlich eingerichtet, Garten, Terrasse, allerdings recht kleine Zimmer. Via Napoli 27, Tel./Fax 0864 747 821, www.lacasadicostanza.com, DZF 50-60 Euro (D).
Das ***Seggiovia ist ein korrektes Mittelklassehotel, der Empfang sehr freundlich, die Zimmer anonym. Im 3. Stock schöne Aussicht. Via D. Tanturri 42, Tel. 0864 74 371, Fax 0864 747 966. DZ 60 Euro (E).

Essen: Costanza e Roberto. Ein gepflegtes Lokal mit gehobenen Ansprüchen, die Küche ist gut, aber vielleicht ein bisschen zu ehrgeizig. Manche »kreativen« Kompositionen haben mich jedenfalls nicht ganz überzeugt. Die Pastelltöne, die sich an den Wänden gut machen, sind halt auf dem Teller doch zu schwach, das Ganze wirkt übertrieben vorsichtig, es fehlt manchmal der Biss. Mit der ebenfalls angebotenen »Cucina di tradizione« kann dagegen nichts schiefgehen: Frische Grundprodukte werden gut zubereitet. Umfassende, engagiert zusammengestellte Weinkarte. Via Roma 15, Tel. 0864 74 345, Mo/Di geschl., Menü um 25 Euro (F).
In der kleinen Pizzeria Angelone scheint die Zeit seit 30 Jahren stehengeblieben. Ein radikal schmuckloser Raum, ein paar Holztische mit Papierdecken, ein Kachelofen, ein Schrank für Teller und Besteck, der Pizzaofen mit dem Holzfeuer, vor dem der Chef sachkundig hantiert. Bei solcher Beschränkung aufs Wesentliche muss die Substanz stimmen: hauchdünne, knusprige Pizza, wie man sie nördlich von Neapel kaum je findet, guter Belag - ein Genuss! Strada Vincenzo Tanturri 24, kein Telefon, nur abends geöffnet, Pizza ab 5 Euro (G).
Il Vecchio Mulino. Hausmacherküche, freundliche Preise, viele einheimische Gäste, in der Küche mehr Höhen als Tiefen, mit Pasta und Pizza ist man auf der sicheren Seite. Via Silla 50, Tel. 0864 747 219, Mi geschl., Juni bis Sept. kein Ruhetag (H).
Pasticceria-Caffé Pan dell'Orso. Das beste Café im Ort, mit einem Riesenangebot an hausgemachten Kuchen, Eis, einem beeindruckenden Grappa-Angebot. Die Gartenterrasse lädt zum Aperitiv ein. Viale del Lago 20 (beim Hotel Le Focette), Mo geschl (I).
Biscotteria Artigianale, Via Silla 47. In dem winzigen Familienbetrieb werden seit 100 Jahren traditionelle Dolci zubereitet, so die mit Traubenmost hergestellten »mosticcioli« oder die köstlichen Mandelmakronen. Unbedingt probieren! (J)

Einkaufen: Das Goldschmiedehandwerk hat in Scanno eine lange Tradition, es gibt im Ort noch zahlreiche Läden.
Schafskäse und Mozzarella aus Eigenproduktion: La Scannesina, Via V. Tanturri 21 (K).
Noch besseren Pecorino gibt es um die Ecke bei Alimentari Grottino, Strada Giuseppe Tanturri 4 (L). Wochenmarkt: dienstags.

Information: IAT, Piazza Santa Maria della Valle 12, Tel. 0864 74 317, Fax 0864 747121, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. (M).

Verkehrsverbindungen: Werktags 7-8, sonn- und feiertags 2 Busverbindungen nach Sulmona. Werktags 3, sonn- und feiertags 1 direkter Bus nach Rom.
Zu den nächsten Etappenorten: Keine öffentlichen Verkehrsmittel nach Iovana. Nach Pescocostanzo: Werktags 9.00 nach Sulmona, dort 11.40 nach Castel di Sangro, Direktanschluss nach Pescocostanzo, an 13.00 Uhr. Oder auf derselben Strecke ab Sulmona 13.45, an Pescocostanzo 18.40 Uhr. Nach Opi: 9.00 nach Sulmona, dort weiter um 14.10 bis Avezzano, Anschluss 16.15, Opi an 17.55 Uhr.

Am frühen Sonntagmorgen ist ein Marokkaner der einzige Mensch auf dem Dorfplatz von Castrovalva. Der ambulante Händler baut einen Verkaufsstand auf. Wir wechseln ein paar Worte. Schon seit 20 Jahren verbringt er das Sommerhalbjahr in den Abruzzen, im Winter kehrt er in sein Heimatdorf bei Casablanca zurück. Mit einem klapprigen alten Ford fährt er wochentags die Märkte der Region ab, heute hat er sich das winzige Castrovalva ausgesucht, »sonntags kommen da immer ein paar Touristen«. Er hofft, einige Souvenirs zu verkaufen. Ich wünsche ihm viel Glück, er wünscht mir viel Glück, und ich verlasse den Ort auf dem einzigen Zufahrtssträßchen. Nach 5 Minuten biege ich vor dem Schild »50 km« nach rechts in den ansteigenden breiten Fußweg. Es geht nun immer bergauf. In einer guten halben Stunde gelange ich zur Quelle Celidonia. Der Brunnen ist durch einen Erdrutsch zerstört, vor drei Jahren habe ich hier noch das frische Wasser genossen. In einem Hochtal mit weiten Wiesenhängen geht es in südöstlicher Richtung weiter. Immer schöner wird die Aussicht zurück auf das Tal von Anversa, dahinter am Hang die Dörfer Casale und Cocullo. Später kommt auch das lange verborgene Castrovalva wieder in den Blick. Dicht drängen sich seine Häuser auf einem Felssporn aneinander. Im Hintergrund erscheint der markante Gipfel des Monte Sirente. Der Weg erreicht einen kleinen Bergsattel. Im Süden wird das nächste Ziel sichtbar: ein deutlicher Einschnitt zwischen zwei bewaldeten Hängen.

Direkt hinter dem Sattel nehme ich bei einer Gabelung die linke, sich am Hang leicht senkende Wegspur. Der Pfad führt durch ein fast magisch wirkendes Hochtal. Insekten summen, eine Eidechse huscht über den Weg, der Kuckuck ruft, Schmetterlinge umflattern dichte Thymianmatten. Die Steinmauern eines alten Schafstalls bröckeln, über dem satten Grün der Wiesen ragen im Hintergrund kahle Berggipfel empor.

In knapp 20 Minuten gelangt der Pfad zu einer breiteren Fahrspur und verläuft dann ansteigend links von einem Bach. Eine Viertelstunde später folgt man dem Weg nach rechts durch das Bachbett, durchquert bald darauf ein Wäldchen und gelangt zur Quelle Cona. Ein schöner Rastplatz: Das Wasser sprudelt ins gemauerte Becken, rundherum blühen Glockenblumen, Anemonen, Nelken, wilde Gladiolen, Klee und Tausende von Gänseblümchen. Nach einem kurzen Anstieg ist der Pass bei der Kapelle L'Immacolata erreicht, der höchste Punkt der Tour. Eine Kuhherde umlagert die kleine Kapelle. Zum letzten Mal blicke ich zurück auf das Tal von Anversa und den Monte Sirente, im Süden erscheinen tief unten der Lago di Scanno und der Ort Scanno, rechts davon die Bergkette der Terratta.

Ein streckenweise betonierter Fahrweg führt vom Pass hinab zum Ruinendorf Frattura Vecchia. Ich nehme lieber die Viehpfade, die sich rechts und links von dem Sträßchen durch die Wiesen ziehen. Die Häuser von Frattura Vecchia sind vollständig verfallen, kein Mensch ist zu sehen, aber der Brunnen sprudelt fröhlich, und überall sieht man die Spuren neuer Strom- und Wasserleitungen. Lange wird die Ruinenromantik wohl nicht mehr bestehen. Die Gemeinde Scanno, zu deren Territorium Frattura Vecchia gehört, hat einen Vertrag mit dem Unternehmer Daniele Elow Kihlgren abgeschlossen, der den verlassenen Ort vollständig restaurieren möchte. Der italienisch-schwedische Geschäftsmann hat ein ähnliches Projekt bereits in Santo Stefano di Sessanio am Gran Sasso verwirklicht (vgl. S. 135). Frattura Vecchia wird vermutlich in absehbarer Zeit anders aussehen als jetzt - aber voraussichtlich nicht schlechter.

Ich lasse den Ortskern rechts liegen und gehe geradeaus auf einem am Hang abwärtsführenden Feldweg. Kirschbäume stehen am Weg, aber die Früchte sind nach einem kühlen Frühjahr selbst Ende Juni noch nicht reif. Nach wenigen Minuten nehme ich den ersten Weg nach links abwärts. Im Gemüsegarten unterhalb arbeitet ein Mann, der erste Mensch, den ich seit Castrovalva treffen. Er ist keineswegs der letzte Einwohner des Ortes, wie ich vermute, sondern lebt in der Stadt: Er wohnt in Sulmona, hat aber das frühere Haus der Familie behalten und bestellt an den Wochenenden regelmäßig seinen Garten auf 1200 Meter Höhe. Frattura Vecchia wurde durch das große Erdbeben von 1915 zerstört, erzählt er mir; in den 20er-Jahren sei dann der neue Ort Frattura entstanden. Er ist ganz in der Nähe schon zu sehen.

Im Tal folge ich bei einigen Gemüsegärten dem Pfad nach rechts und steige nun parallel zur Straße nach Süden an. Ein Geröllhang und weit verstreute Felsbrocken zeugen von einem enormen Bergrutsch vor mehreren tausend Jahren. Damals wurde der Wildbach Sagittario aufgestaut und es bildete sich der Lago di Scanno. Der Ortsname Frattura erinnert an diese geologische »Fraktur«.

Ich halte mich immer auf dem Weg oberhalb der Straße, umrunde eine niedrige Hügelkuppe nach links und steige dann auf einem steinigen Weg etwas mühsam steil an, bis ich am oberen Ortsrand des neuen Frattura auf ein Sträßchen treffe. (Man könnte auch bequemer - aber weniger schön - auf der Straße ins Dorf wandern und dort auf einer breiten Treppe an der Kirche vorbei zum Sträßchen am oberen Ortsrand aufsteigen. Auf der Straße biegt man nach links und folgt dann dem ansteigenden Fahrweg nach rechts.) Scanno und der See scheinen zum Greifen nahe - eine Illusion, denn die Wanderung wird noch gut zwei Stunden dauern.

Ich nehme den nach links ansteigenden, nicht asphaltierten Fahrweg. Von hier ist die weitere Route bis Scanno verlässlich markiert. Es geht eine Viertelstunde mit schöner Aussicht in Südostrichtung bergauf, dann schlage ich bei einer Gabelung den rechten, schmaleren Weg ein. Er verläuft fast eben und weiterhin sehr aussichtsreich, passiert einen Brunnen, die Fontana Malvascione, und gelangt bald darauf zum Waldrand. Nach Südosten schaut man auf die Serra Sparvera, nach Südwesten auf Scanno. Der Weg verengt sich zu einem schmalen Waldpfad und steigt allmählich ab zu einem Bachbett. Für 10 Minuten geht es anschließend nochmals aufwärts, aus dem Wald heraus und in weiteren 5 Minuten zur Kreuzung der Wanderwege 30 und 31 (deutliche Markierung auf einem Stein). Geradeaus könnte man direkt weiterwandern zum Agriturismo Iovana, dem Ziel des nächsten Tages. Aber Scanno links liegen zu lassen (genauer in diesem Fall: rechts liegen zu lassen), wäre unverzeihlich.

Ich gehe auf dem Weg 30 nach rechts hinab. Der markierte Pfad führt gleich rechts an einem eingezäunten Gelände vorbei, passiert einen Brunnen mit Trinkwasser und führt ins Vallone delle Croci, ein Hochtal. Oberhalb eines rauschenden Bachs geht es abwärts, streckenweise ist der Weg geröllig und ziemlich steil, manchmal etwas mühsam zu gehen, aber immer sehr romantisch. In Vogelgezwitscher und Bachgeplätscher drängen sich bald auch schwache Motorengeräusche aus dem Tal. Auch einige große Walnussbäume zeigen, dass die bewohnten Gebiete nicht mehr fern sind. Im Tal erreiche ich ein Sträßchen, links gruppieren sich die Häuser von Scanno hübsch auf einem Hügel. Am Weg steht ein Schäfer und schaut neugierig zu, wie ich Notizen mache. Wir kommen ins Gespräch. Als Zwanzigjähriger hat er anderthalb Jahre lang in Düsseldorf gearbeitet, dann ist er in die Heimat zurückgekehrt. Heute besitzt er eine Herde von 240 Schafen. Seinen Pecorino und seine Ricotta verkauft er ausschließlich an Privatkunden. Die zahlen mehr als der Großhändler, und er ist in der Gegend bekannt genug, um den Käse auf diese Weise abzusetzen. Zwei junge Damen kommen vorbei, eine wird mir als die Nichte des Schäfers vorgestellt. Sie studiert Sprachen in Pescara und will in wenigen Monaten für ein Jahr nach Bayreuth ziehen. »Reicht ein Jahr, um wirklich gut Deutsch zu lernen?«, fragt sie mich. Ich glaube, es reicht - und denke daran, dass die Zeiten keineswegs immer schlechter werden: Der Onkel ist vor 40 Jahren nach Deutschland in die Fabrik gezogen, die Nichte geht mit einem Erasmus-Stipendium an die Universität.

Scanno ist nun ganz nah. Ich folge für 10 Minuten der Straße, vorbei an Kleingärten und Nussbäumen. Hinter dem Busparkplatz - gegenüber der städtischen Sporthalle - nehme ich den nach links ansteigenden Weg. Über Treppen geht es aufwärts zur Piazza San Rocco. Durch die Via Tanturri gelange ich zur Piazza Santa Maria della Valle am Rand der Altstadt, dem wichtigsten Treffpunkt der Einheimischen.

Scanno gehört zu den schönsten Orten der Abruzzen. Die Häuser des Ortskerns drängen sich geschlossen an den Hang, die Naturfarben des Steins und der Ziegel glänzen im Sonnenlicht, Treppenwege durchziehen die Ansiedlung, Kirchtürme ragen darüber empor. Herrschaftliche Wohngebäude mit schön verzierten Portalen und Fensterrahmen zeugen vom früheren Wohlstand, der auf der Schafzucht beruhte. Noch immer tragen viele Frauen die alte Tracht. Der Ort ist nur scheinbar abgelegen - es gibt direkte Busse nach Rom, und die zahlreichen Geschäfte, Restaurants und Bars beleben sich keineswegs nur während der touristischen Saison. Seit langem ist Scanno bei Künstlern beliebt. Schon der deutsche Reisende Friedrich Noack wollte es Ende des 19. Jahrhunderts zum exklusiven Ferienziel der kulturellen Elite und der Wanderer machen: »Wäre ich Bürgermeister von Scanno, so würde ich den Aufenthalt daselbst nur solchen Fremden gestatten, die sich als Maler, Künstler oder rüstige Bergsteiger ausweisen können.« Außerhalb der Saison, im Frühsommer und Herbst, kann man in Scanno den Eindruck bekommen, Noacks Vorschlag habe sich durchgesetzt. Neben den Einheimischen tummeln sich dann nur ein paar verstreute Fremde in den Dorfgassen. Im Hochsommer wächst die Zahl der vorübergehenden Bewohner dann auf das Zwanzigfache.