PDFDruckenE-Mail

Dem Süden verschwistert

Corvigliahang: Spuren im Schnee – und Tee

Wanderung 3

Sommer

Eine leichte Wanderung: Nach dem Aufstieg von Celerina bis zur Alp Saluver (2037 m) geht es auf einem leicht coupierten Gelände bis zur Alp Suvretta (2211_m), danach folgt der Abstieg nach Champfèr. Dauer: 4 h.

Wegbeschaffenheit: Celerina bis Chantarella Wanderweg; Chantarella bis Signal Fahrweg (geteert); Signal bis Futschöls Wanderweg; Futschöls bis Champfèr Fahrweg (geteert).

Winter

Eine leichte Wanderung von Celerina aus nach St. Moritz. Anschließend geht es etwas steiler ansteigend bis zur Bergstation der Signalbahn und nach einer Traverse zur Trutzhütte und mit dem Sessellift hinunter nach Chasellas, von dort zu Fuß nach Champfèr. Dauer: 2 h 40. Gute Winterwanderwege, Straßen und vor der Signalbahn auf der Skipiste.

Einkehr

Zuberhütte, Trutzhütte, Paradieshütte, Chasellas.

Die Route über den Corvigliahügel ist von eigenwilligen Frauencharakteren geprägt. Sowohl Hedy Kempny, in unklarer Beziehung zu Arthur Schnitzler stehend, als auch Frauenfiguren aus Jakob Wassermanns, Annemarie Schwarzenbachs und René Schickeles Romanen hinterließen markante Spuren. Wassermanns Etzel Andergast aus dem gleichnamigen Roman findet Trost bei seiner Mutter, Schwarzenbach zeichnet eine Liebe zwischen Frauen, und Schickeles Angelica ist der Mittelpunkt der Gesellschaft. Mit Schwarzenbach hätte Thomas Mann gerne Tee getrunken, sie musste den Termin jedoch absagen, dafür traf er Wassermann. Und Clara Schumann ließ sich von der Landschaft gar nicht beeindrucken.

Route

Ausgangspunkt im Sommer ist der Bahnhof Celerina, an dessen nördlichem Ende (Richtung Samedan) überqueren wir das Gleis und steigen anschließend durch ein Ferienhausquartier die Via Lavinas hoch. Man nennt diesen Dorfteil von Celerina Piccolo Milano, haben doch zahlreiche Mailänder seit den 1970er-Jahren hier ihr Feriendomizil erworben. Die Fahrstraße mündet in einen Weg, der rechts aus dem Dorf hinaus über Wiesen bis hinauf zur unteren Via Engiadina führt. Dem Saluvertal folgen wir bis zur gleichnamigen Alp. Hier biegen wir links ab, überqueren den Fluss Schlattain und wandern durch Wald und über Bergwiesen zur Alp Laret. Es folgt ein kurzer Abstieg bis zum Fernsehturm und von da geht es rechts hinunter durch eine schöne Waldpartie bis zur Chantarella-Mittelstation. Hier wurde früher wohl Korn angebaut, denn Chantarella bedeutet Äckerchenhalde. Bis kurz vor den Skiweltmeisterschaften 2003 ragte neben der Station das Hotel Chantarella empor. Der verlotterte Kasten – das Haus war seit 1985 geschlossen und stand leer – wurde 2001 vor dem sportlichen Großanlass entfernt. Gebaut wurde das Gebäude 1912 als Erholungs- und diätetische Höhenkuranstalt vom Luzerner Architekten Emil Vogt, der auch das Monopol und das Carlton entwarf. Es war eines der letzten großen Häuser, die vor dem Ersten Weltkrieg erstellt wurden und den ersten Hotelbauboom im Oberengadin abschlossen. In dieser späten Phase wurde auf die Kritik der Heimatschutzbewegung, die Hotels seien »charakterlose Kastenbauten«, reagiert. Das Chantarella, wie auch das Carlton, das La Margna oder das Suvretta House, entsprach mit seinem differenzierten Baukörper und den verschiedenartigen Dachformen am ehesten den damaligen Vorstellungen der Heimatschützer. Die Gestaltung (Naturholz, Täfer, einheimische Pflanzenmotive in den Stukkaturen) des Vestibüls und der Hotelhalle nahmen Ideen des naturverbundenen Wohnens auf, außen war der sogenannte Bündner Nachjugendstil (geschwungene Formen, ornamentale Sgraffiti) erkennbar. Trotz der Abgeschiedenheit der Kuranstalt war die Verbindung mit St._Moritz durch die eigens für das Hotel gebaute Drahtseilbahn gewährleistet.
Eine Fahrstraße führt von Chantarella an der Zuberhütte vorbei hinauf, unter der Salastrains-Sesselbahn hindurch – linker Hand sieht man das Zielgelände der Ski-WM-Strecke – bis zur Bergstation der Signalbahn. Der anschließende Wanderweg eröffnet schöne Blicke auf die Oberengadiner Seenlandschaft, den Piz Corvatsch und den Piz da la Margna. Je weiter wir dem Weg in Richtung Paradiso und Alp Suvretta folgen, desto mehr rückt rechter Hand der von Nahem mächtige Piz Julier ins Blickfeld. Die Paradieshütte wurde neulich ausgebaut. Im Winter hoffnungslos überlaufen, bietet sie im Sommer – allerdings zu überteuerten Preisen und inklusive Kaviar, Hummer und Trüffel – etwas mehr Ruhe. Wer es preiswerter mag, kehrt im Trutz ein. Auf der Terrasse des Selbstbedienungsrestaurants genießt man einen fantastischen Blick ins Tal. Nach der Paradieshütte wandert man hinein ins Suvrettatal, bei der Alp zweigt der Weg zum Suvrettapass ab, unsere Route geht jedoch abwärts Richtung Futschöls. Warnung: Dieser letzte Abschnitt ist eine beliebte Mountainbikestrecke. Ab Futschöls läuft man im gediegenen Ferienvillenquartier des Suvrettahügels hinunter bis zur Bushaltestelle in Champfèr.
Varianten
Abkürzung: Ab Celerina den nicht befestigten Fahrweg Vietta d'Alp in Richtung Marguns einschlagen (vor dem Dorfende) und bis zur Antennenstation unterhalb der Alp Laret wandern, dann weiter wie oben. Zeitgewinn circa 45 Minuten.
Abkürzung: Ab Zuberhütte hinunter Richtung Alpina und zum Suvretta House und weiter zur Bushaltestelle St. Moritz Somplaz. Zeitgewinn circa eine Stunde. Auf dem Weg nach Somplaz kommt man an der Stelle vorbei (Via Alpina 39), wo einst das Haus Böhler stand. Dieses seltene Beispiel des modernen Bauens in den Alpen - der Reformbaustil nahm Merkmale der Neuen Sachlichkeit vorweg - kann man heute leider nicht mehr besichtigen, das Haus stand in der Aussicht von Bierbrauer Heineken, es musste weg.
Verlängerung: Ausgangspunkt Samedan wählen. Vom Zentrum Samedan in Richtung Cristolais wandern und von dort zur Alp Saluver (circa eineinviertel Stunden bis Alp Saluver).
Verlängerung: Circa fünfzehn Minuten nach der Alp Suvretta zweigt rechts die Via Engiadina ab in Richtung Silvaplana. Das Dorf am Fuße des Julierpasses erreicht man nach ungefähr anderthalb Stunden ab Alp Suvretta.

Im Winter wählt man den Wanderweg, der vom Bahnhof Celerina der Bahn entlang in Richtung St._Moritz führt bis zum Cresta Run. Die Tobogganing-Bahn säumt ein Weg, dem wir bis nach St. Moritz folgen. Kurz nach dem Kino Scala zweigt eine Straße den Corvigliahang hinauf. Nach der Chesa Futura, dem erdnussförmigen Schindelhaus von Norman Foster, geht rechts eine Treppe hoch. Nach der Treppe zweigen wir wieder in die Straße und gelangen über Chantarella zur Zuberhütte. Nach der Zuberhütte läuft man bis zur Signalbahn entlang der Skipiste (zum Teil durch einen Tunnel). Entsprechend ist Vorsicht geboten. Nach der Signalbahn gelangt man auf einen Winterwanderweg bis zur Trutzhütte. Von dort lässt man sich auf der Sesselbahn zurück ins Tal nach Chasellas fahren. Von Chasellas erreicht man Champfèr nach ungefähr zwanzig Minuten oder Somplaz nach zehn Minuten.

Der gute Tipp

Statt in Futschöls rechter Hand nach Champfèr hinunterzusteigen die Straße Richtung St. Moritz Bad/Suvretta House wählen. Eine Rast auf der Terrasse des Restaurants Chasellas mit Ausblick auf Piz Rosatsch und Piz Surlej lohnt sich sowohl fürs Mittagessen (wenn man früh genug aufbricht und zügig wandert, erreicht man Chasellas zur Mittagszeit) als auch für den frischen Früchtekuchen am Nachmittag (www.chasellas.ch). Gemütlich im Stuhl sitzend, kann man die 65 locker gesetzten Seiten der in dieser Region spielenden Erzählung Eine Frau zu sehen von Annemarie Schwarzenbach (siehe unten) lesen. Der Fahrstraße weiter folgend, erreicht man nach zehnminütigem Fußmarsch eine Kreuzung, an der sich die Bushaltestelle St. Moritz Somplaz befindet.