Nationalpark Val Grande
Idyllische Dörfer im Valle Cannobina
Gurro–Provola–Bivacco Lidesh–La Piota–Falmenta–Crealla–Socraggio
Diese Tour führt zu vier idyllisch gelegenen, nur schwer erreichbaren Bergdörfern im zerklüfteten Valle Cannobina. Die Route führt von Gurro in die geologisch interessante nordöstliche Ecke des Nationalparks bei Finero und zum Bivacco Lidesh. Am zweiten Tag besteigen wir die aussichtsreiche La Piota.
Wanderzeiten 1. Tag:
| Etappe | Zeit |
| Gurro–Provola | 2 h 20 |
| Provola–Bivacco Lidesh | 2 h 50 |
| Totale Wanderzeit | 5 h 10 |
Höhendifferenz (auf) 1100 m, (ab) 340 m
Wanderzeiten 2. Tag:
| Etappe | Zeit |
| Bivacco Lidesh–L’Alpone | 2 h 00 |
| L’Alpone–La Piota | 1 h 00 |
| La Piota–Cappella Fulka | 1 h 00 |
| Cappella Fulka–Falmenta | 1 h 30 |
| Falmenta–Crealla | 1 h 00 |
| Crealla–Socraggio | 1 h 40 |
| Totale Wanderzeit | 8 h 10 |
Höhendifferenz (auf) 960 m, (ab) 2180 m
Charakter
Nicht allzu schwierige Wanderung auf Wegen, die alle in gutem Zustand sind, wenn auch zum Teil wenig begangen (T3).
Beste Jahreszeit
Mai bis Oktober
Verkehrsmittel
Hin: Nach Gurro gibt es bloß zwei Busverbindungen pro Tag ab Cannobio (und nur werktags), eine um 11.25 Uhr (im Winter 13.25 Uhr) und eine um 16.25 Uhr (Fahrzeit 40 Minuten). Finero erreicht man, indem man mit der Vigezzina bis nach Malesco fährt und von dort den Bus nimmt. Im Winter fährt ein Bus um 10.35, im Sommer um 11.43 Uhr ab Malesco (Fahrzeit 15 Minuten). Es gibt auch einen Frühkurs um 8.15 Uhr (Winter) bzw. 9.23 Uhr (Sommer).
Zurück: Von Falmenta fährt werktags um 17.40 (Winter) bzw. 18 Uhr (Sommer) ein Bus via Socraggio (17.55 bzw. 18.20 Uhr) nach Cannobio. Von Cannobio kann man werktags um 19.00 (Winter) bzw.18.58 (Sommer) mit einem Bus nach Brissago, von wo aus man noch einen Anschluss nach Locarno und Zürich hat. In Richtung Bern nimmt man mit Vorteil den Bus um 18.25 (Winter) bzw. 19.45 (Sommer) nach Intra (umsteigen) und weiter zum Bahnhof von Verbania.
Varianten
- Statt in Gurro kann man die Tour im Valle Vigezzo beginnen. Man fährt entweder mit dem Bus von Malesco bis nach Finero oder man startet zu Fuß in Re (1 h 30 von Re bis Provola, Beschreibung in der Gegenrichtung bei Route 3).
- Man kann am 2. Tag vom Bivacco Lidesh bis zum Passo Crositt und dann dem Grat entlang auf dem Sentiero Bove bis zur La Piota wandern (Beschreibung in der Gegenrichtung bei Route 14). Diese schöne Variante ist deutlich anspruchsvoller weil sehr ausgesetzt (T4) aber ein wenig kürzer (2 h 30 statt 3 h 00).
- Wenn man von Mergugno statt nach Falmenta nach Gurro absteigt, also eine Rundtour macht, verkürzt sich die Wanderung am 2. Tag auf 5 h 10.
- Mit einer weiteren Übernachtung im Bivacco Cappella Fulka kann man die Tour auf 3 Tage ausdehnen.
Besonderes
Gurro: Ethnografisches Museum (Museo Etnografico della Valle Cannobina), Piazza della Chiesa, Öffnung auf Anfrage bei der Bar Scotch, www.museogurro.it
Übernachten, Gasthäuser, Information
Gurro:
Bar Scotch und Ristorante Cerioli, Via Provinciale 2, Tel. 0323 76107, Do geschlossen
Circolo Casa Del Popolo, Via Aldo Moro 10, Tel. 0323 76158, Mo geschlossen
Bivacco Lidesh (1570 m), immer offen, spärliches Wasser 10 Minuten in Richtung Passo Crositt, Kamin, Handyempfang
Bivacco Cappella Fulka (1432 m), immer offen, Brunnen, Kamin, Handyempfang
Falmenta: Circolo ACLI San Lorenzo, Tel. 0323 77139
Comunità Montana Valle Cannobina: www.vallecannobina.it
Pro Loco Cannobio: www.procannobio.it
Einkaufen
Es gibt einen Lebensmittelladen in Gurro an der Via della Chiesa 7.
1. Tag: Gurro–La Piazza–Provola–Bivacco Lidesh
Wir starten unsere Tour in Gurro (812 m), einem malerischen Bergdorf im oberen Valle Cannobina. Die Bewohner des 300-Seelen-Dorfs nehmen für sich in Anspruch, teilweise von schottischen Söldnern abzustammen (siehe S. 234). Sie verweisen dabei auf die eigentümliche Bauweise einiger Häuser (Tragkonstruktion der Außenmauern aus Holz, mit Andreaskreuzen verstrebt) und auf das schottische Muster auf dem Unterrock der lokalen Tracht. Am Hauptplatz von Gurro gegenüber der Kirche befindet sich das Museo Etnografico della Valle Cannobina mit einer Sammlung von Cannobiner Trachten und traditionellen Haushaltutensilien. Für einen Besuch des Museums wendet man sich an die Bar Scotch beim Dorfeingang.
Wir gehen von dieser Bar in die Via Falmenta und kommen nach wenigen Metern bei einem Wegweiser zur Stelle, wo die Wege nach Mergugna und Falmenta bzw. nach La Piazza und Finero beginnen. Wir wählen Letzteren und steigen hinauf nach La Piazza (999 m), wo wir dem Sträßchen in westlicher Richtung folgen bis zu einem großen Brunnen. Nun wandern wir rechts am Brunnen vorbei weiter – wir befinden uns hier auf einer Variante des Fernwanderwegs Grande Traversata delle Alpi (GTA). Der markierte Weg führt an Ruinen vorbei, entlang eines Seitenbachs steil hinab zum Rio di Calagno, den wir auf einer Brücke überqueren. Wir kommen zu den Ruinen von I Nogeri (874 m) und betreten bald darauf bei einem weiteren Seitenbach des Rio di Calagno den Nationalpark Val Grande. Der eigentümliche Verlauf der Parkgrenze hier rührt daher, dass der Streifen Land zwischen dem Monte Torrione, dem Cimone di Cortechiuso, Il Fiume und Provola zur Gemeinde Cùrsolo-Orasso gehört, die im Gegensatz zu Gurro beim Nationalparkprojekt mitmachte. Nun folgt ein schöner Wegabschnitt bis nach Daila, wo die Hütten zu schmucken Wochenendhäuschen umfunktioniert worden sind (Wasser). Hier stoßen wir auf einen geologischen Rundweg. Wir gehen geradeaus weiter und kommen bald zu einem Posten dieses Parcours, wo auf eine spezielle Felsformation links am Hang hingewiesen wird. Hier tritt nämlich Gestein der Erdkruste zutage und man sieht – was nur sehr selten möglich ist –, wie der dunkelgraue Gabbro links (ein kompaktes magmatisches Gestein aus der Erdkruste) direkt auf eine Gesteinsschicht des Erdmantels trifft (der rötliche Peridotit weiter rechts). Kurz darauf gelangen wir nach Provola (929 m).
Hier biegen wir nach links auf den markierten Weg in Richtung Alpe Mut, Crositt und Monte Torrione ein. Rechts sehen wir Finero, das zur Vigezziner Gemeinde Malesco gehört. Nach 5 Minuten biegt unser Weg zum Bivacco Lidesh (2 h 45) links ab und beginnt anzusteigen (geradeaus gehts weiter in Richtung Bocchetta di Terza, siehe Route 3). Nach eineinhalb Stunden Aufstieg durch Buchenwald kommen wir auf 1350 Metern zu einer Stelle mit einer schönen Aussicht auf den Monte Torriggia, den Gridone und ins Valle Cannobina mit Orasso und Spoccia. Nach weiteren 30 Minuten kommen wir zur Alpe Mut oder Motto (1493 m). Nun verläuft der Weg rechts (westlich) des Motto Cantè (1618 m), wobei einige Stellen mit Ketten gesichert sind. Bei einem Pässlein wechseln wir auf die linke Seite des Bergkamms und wandern weiter bis zum herrlich gelegenen, kleinen Bivacco Lidesh (1570 m). Unter uns sehen wir die Weiler Calagno und Pra del Rù und links bzw. rechts des Monte Colmine die Dörfer Cùrsolo und Spoccia. Im Hintergrund erblicken wir die eindrücklichen Rocce del Gridone. Falls der Brunnen vor dem Bivacco kein Wasser hat, findet man welches bei einem Bächlein (bzw. eher ein Rinnsal) 10 Minuten weiter in Richtung Passo Crositt, allerdings auch hier nur, falls es nicht allzu trocken ist.
2. Tag: Bivacco Lidesh–L’Alpone–La Piota–Falmenta–Crealla–Socraggio
Wir folgen dem Weg in Richtung Passo Crositt, bis wir nach einer halben Stunde auf 1700 Metern zu einer Weggabelung kommen. Von hier kann man weiter bis zum Passo Crositt (1782 m) und dann dem Grat entlang auf dem Sentiero Bove zur Piota (siehe Variante 2 und Route 14). Diese Variante ist sehr aussichtsreich aber ausgesetzt (T4). Wir gehen daher nach links und folgen dem Weg über die Alpen Balmo und Vandra nach L’Alpone (1539 m, im Dialekt Dalp), das wir schon vom Bivacco Lidesh aus sehen konnten. Von hier folgen wir einem schönen Weg durch Alpenrosen und Heidelbeeren hinauf zum Pian Bozzo (Verzweigung beim P. 1737) und folgen dem Kamm hinauf zur La Piota (1925 m). Die Aussicht von hier ist spektakulär: Zu unseren Füßen das wilde Val Pogallo, im Süden der Monte Zeda und der Lago d’Orta, im Westen der Monte Rosa, davor die Cima Pedum und die Bocchetta di Campo mit dem Bivacco, im Norden der Torrione und ganz im Hintergrund unter anderen das Finsteraarhorn.
Wir steigen auf dem gleichen Weg hinab zum Pian Bozzo, gehen dann aber nicht zurück nach L’Alpone, sondern geradeaus auf einem ebenfalls markierten Weg in Richtung Piano di Nasca. Nachdem wir in einen Buchenwald eingetaucht sind, erreichen wir bei einer Lichtung auf 1430 Metern das hübsch gelegene, winzige Bivacco Cappella Fulka (Brunnen).
Nun führt der markierte Weg weiter durch Buchenwald rechts des Monte Mater (1431 m) vorbei zu den oberen, dann den unteren Ferienhäusern von Vanzone. Eine Viertelstunde später erreichen wir Mergugna (Brunnen), von wo man in 20 Minuten links nach Gurro absteigen könnte. Wir biegen jedoch nach rechts in Richtung Falmenta. Zunächst gehts recht steil bergab, dann wird der Weg aber zu einer schönen Mulattiera, die gemächlich nach Falmenta (675 m) hinabführt. Dort gehen wir zum Platz vor der Kirche, wo wir im Circolo ACLI San Lorenzo (im ersten Stockwerk über der Post) einkehren können.
Wir folgen dann der Via Roma bis links die Via Crealla abzweigt. Wenn wir der Via Roma weiter folgen bis zum südwestlichen anderen Ende von Falmenta, kommen wir zum Platz, wo der Bus nach Cannobio abfährt. Dort beginnt ein Weg zum Monte Zeda via Camberto und Alpe Fornà, wo es ein Bivacco gibt (siehe Route 1 und Route 14). Bis zum in Luftlinie nur 500 Meter entfernten Crealla brauchen wir eine Stunde, denn wir müssen zuerst 170 Höhenmeter zum Rio Falmenta absteigen. Immerhin können wir uns jetzt besser vorstellen, was es früher bedeutete, in diesem zerklüfteten Tal zu leben.
In Crealla (627 m), wo nur noch etwa 40 Menschen leben, gehen wir am Friedhof und an der Kirche S. Pietro vorbei. Nach Verlassen des Dorfs muss ein weiteres Seitental – jenes des Rio Crealla – überwunden werden. Zum Glück müssen wir aber nicht bis auf 525 Meter absteigen, wie auf der normalen Domodossola-Karte angegeben, sondern bloß auf 580 Meter. Es folgt ein längerer Aufstieg nach Luera (750 m, bereits auf der Malcantone-Karte), wo rechts ein Weg zur Alpe Archìa abbiegt (siehe Route 1), wir aber geradeaus weitergehen. Drei Minuten später führt unser markierter Weg nach links im Zickzack bergab (aufpassen, dass man hier nicht geradeaus weitergeht). Wir gelangen nach Corte und Calachina – beide nicht mehr bewohnt – und überqueren dann den Rio Socraggio (Bademöglichkeit), ein weiterer tiefer Einschnitt. Der Aufstieg nach Socraggio (485 m) erfolgt über eine lange Treppe. Zur Bushaltestelle gehen wir geradeaus durch das kaum mehr bewohnte Dorf und folgen dann der Straße hinab bis zur Hauptstraße im Tal.


