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Kochbuch und kurzer Lebenslauf der Marianna Agethle aus Schleiss
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Vinschgau (Südtirol)

Flanieren in Meran

Meran lädt zum Spazieren, zum beschaulichen Schlendern durch die Geschichte einer Stadt, die mal Tirols Hauptstadt war, in die Bedeutungslosigkeit entlassen wurde und im 19. Jahrhundert als Kurstadt auferstand.

Flanieren – die Winterpromenade hoch, die Sommerpromenade runter, wo Sissi in Marmor etwas verloren in einer Blumenrabatte sitzt, die hoch verehrte Kaiserin von Österreich, die um 1870 zwei Winter in Meran verbrachte und damit den Boom der Bäderstadt erst so richtig anheizte. Mit Sissi geht man ins Sissibad, mit Sissi spaziert man in die Gärten von Trauttmannsdorff, Sissi begegnet man im Touriseum (der tollen permanenten Ausstellung im Schloss Trauttmannsdorff), und ins Sissi gehen die Verschleckten essen.

Dank der habsburgischen Kaiserfamilie (und, Ehre wem Ehre gebührt, dank dem hervorragenden Ruf der Kurärzte) kamen in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts die Einflussreichen und die Reichen in Scharen nach Meran. Die Schlösschen, die Jugendstilbauten an der Passer, das pompöse Grandhotel Palace, die Villen in verträumten, üppigen Gärten erinnern daran, in welch luxuriösen Kulissen die betuchte Gästeschar sich verlustierte. Ein paar andere gab es auch, natürlich, die in der milden Luft gegen Blutarmut oder Tuberkulose ankurten, im mediterranen Grün die Liebe sprießen ließen, in einfachen Pensionen wohnten und als Luxus dem Flanieren huldigten. Ein paar Dichter auch, Paul Heyse, Felix Dahn, Rilke, später dann im Herbst 1918 wars endgültig vorbei mit dem glamourösen Kurleben und dem Alpenchic unter Palmen. Meran, der angesagte Sonnenbalkon der Donaumonarchie, wurde zum nördlichen Anhängsel Italiens, eines Landes, das selber mit Sonnenschein und Palmen reich gesegnet ist.

Das Italien Mussolinis errichtete in Meran, das unter dem Faschismus, im Gegensatz zu Bozen, in eher ruhigen Gewässern segelte, keine Siegerdenk_ male und Triumphbögen. Man setzte mit der 1935 eröffneten größten Pferde_ rennbahn Europas andere Zeichen. Man setzte auf Großveranstaltungen und auf den Fremdenverkehr. In den Kreisen der gehobenen Hotellerie begann auch umgehend das Jammern über den hereinbrechenden Massentourismus, ein Missbehagen, das bereits 1868 den Reiseschriftsteller Heinrich Noë umtrieb, der bemerkte, in Meran sei es am schönsten, wenn die »Fremdenkasernen« leer stünden. […]

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