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Kochbuch und kurzer Lebenslauf der Marianna Agethle aus Schleiss
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Vinschgau (Südtirol)

Vinschgauer ABC

Autonomie ist das Schlüsselwort für die neuere Geschichte und das Wirtschaftswunder Südtirols. Damals, nach den Bomben, war »Autonomie« ein Schimpfwort für die diplomatischen Weicheier, für die Verräter der Selbstbestimmung (womit der Anschluss an Tirol und Österreich gemeint war). 1969 wurde mit einer Grosskundgebung auf Sigmundskron und einer Kampfabstimmung in der SVP die Weiche knapp für die Autonomie gestellt, 1972 trat diese formell in Kraft: eine weitgehende Selbstbestimmung innerhalb des Staates Italien, zu dem das Land Südtirol seit 1919 gehört.

Bumser hiessen die Südtiroler Terroristen von 1961, die in der »Feuernacht« Industrieanlagen und Strommasten sprengten (oder dies versuchten). Die Bomben schufen den Druck, der – entgegen ihren Zielen – in den diplomatischen Kompromiss mündeten.

Claudia Augusta: Auf der Via Claudia Augusta zogen römische Händler und Soldaten seit dem Jahr 46 vor unserer Zeitrechnung durch den Vinschgau und über den Reschenpass nordwärts. Schlüsselstelle und Zollamt war bis 1854 Altfinstermünz. Auf der Malser Haide wurden in den letzten Jahren Reste von hospizähnlichen Etappenorten entdeckt.

Dolomiten, Dolomiten: Die Dolomiten gehören zu Südtirol wie der Ortler und sind vom unteren Vinschgau wie eine ferne Verheissung zu sehen, ein wenig Patagonien und ein wenig Marlboro-Country Dolomiten heisst auch die konservative deutschsprachige Südtiroler Tageszeitung des marktbeherrschenden Medienkonzerns Athesia.

Eisenbahn: Vor 1900 träumte der Zürcher Oberländer Banker, Baumwollindustrielle und Bahnpionier Adolf Guyer-Zeller von der normalspurigen Orientbahn, die von London über Paris, Chur, Bozen und Venedig dereinst bis Konstantinopel oder gar Bombay führen sollte. Es blieb ein Traum. 1906, noch zu k. k. Zeiten, wurde die Vinschgerbahn von Mals nach Meran eingeweiht, 1991 von der italienischen Staatsbahn als »dürrer Ast« stillgelegt und am 5.5.05 (etwas Kabbalistik muss sein) wieder in Betrieb genommen, nun vom Land Südtirol. Inzwischen fährt die Bahn bis hinunter nach Bozen.

Faschismus: Unter dem Faschismus war die deutsche Sprache in Südtirol verboten, Deutschsprachige im öffentlichen Dienst verloren ihre Stelle und Deutsch wurde nur noch in den Katakombenschulen im Geheimen unterrichtet. Die faschistische Ära dauerte von 1922 bis zum September 1943, als die Wehrmacht auch Südtirol besetzte.

Ganglegg: Urgeschichtliche Siedlungsstätte auf einem Hügel oberhalb von Schluderns, die erst in den letzten Jahrzehnten erforscht und teilweise nachgebildet wurde. Die Funde sind im Vintschger Museum in Schluderns ausgestellt.

Hofer, Andreas: Tirols »Nationalheiliger« führte 1809 den vorerst erfolgreichen Aufstand gegen die Bayern an, die als Napoleons Statthalter Tirol besetzt hielten. Ende desselben Jahres verloren Hofers Mannen die entscheidende  Schlacht am Bergisel. Hofer flüchtete, wurde jedoch verraten, festgenommen und 1810 in Mantua erschossen.

Italiener: In der Volkszählung 2001 bezeichneten sich 26 % der Südtiroler als Italienischsprachige (Walsche). In Bozen sind es 73 % und in Meran 48 %. Im Vinschgau gibt es nur zwei Gemeinden mit weniger als 97 % Deutschsprachigen: 95 % in Taufers und 94 % in Schlanders, der einzigen Vinschger Gemeinde mit einer italienischen Schule.

Juval: Vor hundert Jahren noch eine Ruine, heute im Juli und August Sommersitz des Alpinisten und Bauern Reinhold Messner, in den übrigen Sommermonaten eines der fünf Messner Mountain Museen.

Kornkammer: Der Vinschgau galt als Kornkammer Südtirols, die »Flecklteppiche« der kleinen Äcker prägten die Landschaft. Nach 1950 verdrängten die Apfelplantagen und die weniger arbeitsintensive Milchwirtschaft die Kornfelder. Jetzt zeichnet sich eine Gegenbewegung ab. Die Interessengemeinschaft Kornkammer will eine Renaissance des Vinschger Kornanbaus einleiten.

Laaser: »Der Laaser«, der Marmor aus dem Vinschgau, ist ein Winzling gegenüber den Carrara-Brüchen in der Toskana. »Carrara-Marmor ist Käse, leblos, stumpf, der Laaser lebendig, leuchtend«, zitiert man im Vinschgau gerne den Bildhauer Ludwig Schwanthaler. Seit 2008 kontrollieren Schweizer Investoren die beiden wichtigsten Laaser-Brüche Weisswasser und Jennwand.

Mann aus dem Eis: Der Ötzi, die 5300 Jahre alte Gletscherleiche, ist heute der berühmteste Südtiroler. Gefunden wurde er 1991 beim Tisenjoch, wenige Meter von Nordtirol (Österreich) entfernt, zu besichtigen ist er im Archäologiemuseum in Bozen.

Nationalpark Stilfserjoch: 1935 unter dem Faschismus in Teilen der Regionen Lombardei und Trentino/ Südtirol entstanden. Ein Drittel der Parkfläche gehört zu Südtirol, genauer: zum oberen Vinschgau. Ab 2012 verwaltet Südtirol seinen Teil des Parks von Glurns aus autonom.

Option: 1939 mussten sich die deutschsprachigen Südtiroler entscheiden: Entweder sie optierten für Deutschland und sollten ins Reich auswandern, oder sie optierten fürs Dableiben, mussten ihre Sprache und Kultur aufgeben und damit rechnen, ins südliche Italien versetzt zu werden. Das Umsiedlungsprojekt, das Hitler die Leute und Mussolini das Land überlassen wollte, wurde vom Kriegsverlauf gestoppt. Noch heute ist nicht vergessen, wer Optant und wer Dableiber war.

Paarln, auch Vinschgerl: Dunkle, weiche Roggenbrötchen, die auf keinem Frühstückstisch und in keinem Brotkorb im Vinschgau fehlen; ursprünglich das Brot für die Hochzeitspaare, deshalb die Doppelform, das Brotpaar.

Qualitätsapfel: Neben dem Tourismus ist der Obstbau der wichtigste Wirtschaftszweig in Südtirol, vor allem im Vinschgau, wo das Klima die besonders gefragten Apfelsorten begünstigt. Jahr um Jahr rückt die »Apfelwalze« weiter Richtung Malser Haide vor.

Rätoromanisch wurde im Vinschgau bis zur Reformation gesprochen. Daran erinnern noch Flurnamen, auch Begriffe wie Waal, Tschött, Kandl sind rätoromanischen Ursprungs. An diese Wurzeln knüpft auch das »rätische Dreieck« an, die gemeinsame touristische Marke von Unterengadin, Münstertal, Oberinntal und Vinschgau. Wenns gar kultürlich wird, heisst es »magisches rätisches Dreieck«.

Südtiroler Volkspartei (SVP): bei Kriegsende gegründete, in Südtirol (fast) alles dominierende Sammelpartei der Deutschsprachigen und der Ladiner, stellt im Vinschgau sämtliche Bürgermeister. Bekannteste Exponenten: der verstorbene, hochverehrte Silvius Magnago ( Landeshauptmann 1961-1989) und Luis Durnwalder (LH seit 1989).

Schüttelbrot: Roggenbrot, das von Hand oder auf einem Brett zu einem dünnen Fladen »geschüttelt« wird. Ursprünglich aus dem Eisacktal stammend und heute in ganz Südtirol verbreitet, wird oft in Vinschger Bäckereien hergestellt.

Statistisches: Südtirol zählt eine halbe Million Einwohner, etwas weniger als die Schweizer Kantone St. Gallen und Appenzell zusammen, der Vinschgau (bis an die Töll) 44 000, so viel wie das Toggenburg. Die Übernachtungen in Südtirol entfallen zu je rund 40 % auf Deutschland und Italien. In den Vinschgau (Bezirk) kommen 60 % der Gäste im Sommer. Mehr Zahlen: www.provinz.bz.it/astat.

Terme von Meran, 2005 neu eröffnet und Magnet der Kurstadt, der zweitgrössten Stadt Südtirols. Meran, bis 1848 formell Landeshauptstadt der Grafschaft Tirol, war bis zum Ersten Weltkrieg beliebte Sommer- und Winterfrische des österreichisch-ungarischen Kaiserreichs.

Übertrieb der Vinschger Schafe aus dem Schnalstal auf Sommerweiden im obersten Ötztal; eine seit Jahrtausenden praktizierte Form der Transhumanz. Möglicherweise war schon Ötzi ein Hirte.

Vinschgau, der (früher Vintschgau): die Talschaft zwischen Stilfser Joch/Ofenpass/Reschenpass und der Töll, also inklusive Naturns und Partschins, die politisch bereits zum Burggrafenland gehören.

Wasserwosser wird das Bewässerungswasser genannt, das in Waalen (offenen Wasserkänneln und -gräben) aus den Bergen auf die Wiesen und Kulturflächen geführt wird; heute oft auch in eine Tschött (ein Sammelbecken), von wo eine Beregnungsanlage die Feinverteilung übernimmt.

Xong: Sommerfestival im Rätischen Dreieck, das zehn Jahre lang »fegte«. Mit vielen andern hoffen wir auf die Auferstehung.

Ypsilon mit kurzem Schnalser und längerem Meraner Bein, schliesst unsere Variation vom Vinschger Höhenweg ab.

Zerminiger: Ein schöner Berg, ein fantastischer Ausguck über den Vinschgau. Schön, dass manche Ziele noch vor uns liegen.