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Zu den Schneefällen im Winter 2008/09 in Piemont

Prof. Werner Bätzing, Erlangen

Der Winter 2008/09 war auf der Alpensüdseite und auch in den piemontesischen Alpen außergewöhnlich schneereich: Zwischen Mitte und Ende Dezember 2008 gab es sehr starke Schneefälle, die im Tal der Stura di Demonte in 1.000 m Höhe etwa 2,5 m betrugen und die in größerer Seehöhe noch deutlich höher waren. Anschließend schneite es mit längeren Unterbrechungen bis ende März 2009 weiter, so dass insgesamt sehr hohe Schneedecken entstanden.

Als Konsequenz waren wichtige Transitautobahnen für einige Tage blockiert, die Paßstraße Colle della Maddalena zwischen Stura- und Ubaye-Tal blieb vom 18. Dezember bis zum 3. Februar geschlossen, wichtige Talstraßen waren unpassierbar (z.B. die Straße im Stura-Tal zwischen Vinadio und Sambuco für 12 Tage), und zahlreiche abgelegene Orte und Weiler waren für längere Zeit von der Außenwelt abgeschnitten.

Die Einheimischen berichteten, solche Schneefälle hätte es zum letzten Mal im Winter 1977/78 gegeben. Im Stura-Tal hat es bei Vinadio dagegen im Neraissa-Seitental drei Lawinen gegeben, die zum letzten Mal vor ziemlich genau 100 Jahren abgegangen und Schaden angerichtet haben, so dass dieser Winter eine noch größere Ausnahme darstellen könnte (vielleicht ein 100-jähriges Ereignis und nicht nur ein 30-50-jähriges ?).

Für Wanderungen in den gesamten piemontesischen Alpen bedeutet das, dass man im Sommer 2009 deutlich länger als üblich mit größeren Schneemengen oberhalb von 2.000 m Höhe rechnen muss. Ich war im Sommer 1978 in dieser Region lange zu Fuß unterwegs (also nach dem schneereichen Winter) und hatte auf der GTA in der zweiten Juli-Hälfte und gelegentlich auch noch danach teilweise größere Probleme mit Schnee auf der Nordseite von hohen Pässen.

Deshalb die dringende Empfehlung an alle Wanderer: Bitte seien Sie in diesem Sommer besonders vorsichtig beim Queren alter Schneefelder - Schneebrücken könnten unter Ihnen zusammenbrechen, oder Sie könnten auf steileren Altschneeresten leicht ausrutschen. Bitte kehren Sie um, wenn Sie sich nicht sicher fühlen.

Dafür gibt es - als Ausgleich sozusagen - eine tolle Entschädigung: Durch die späte Schneeschmelze beginnt der Frühling mit seiner Blütenpracht im Hochgebirge deutlich später und auch die spätsommerliche Trockenheit setzt später ein, so dass Sie sich länger als sonst an der bunten Blumenvielfalt erfreuen können - und dies könnte die Nichtpassierbarkeit eines Passes mehr als kompensieren.