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Zu Fuss durch die Pyrenäen - der Westen

Die Hexen von Zugarramurdi

Man schrieb das Jahr 1608. Die Inquisition, die Verfolgung von Juden, Muslimen, Zigeunern und Hexen, war immer noch im vollen Gange. In Spanien war sie besonders mächtig.

Zu dieser Zeit informierte eine junge Frau mit dem Namen Maria de Ximildegui die lokalen Obrigkeiten in ihrem Geburtsort Zugarramurdi, dass sie eine Hexe gewesen sei und während dieser Zeit an einem Hexensabbat in Zugarramurdi teilgenommen habe. Sie selbst habe für Wochen mit dem Teufel gekämpft, um von der Hexerei wegzukommen, nun wolle sie Namen nennen.

Sie nannte die 20-jährige Maria de Juareteguia als eine Teilnehmerin an der Zeremonie von Zugarramurdi. Juareteguia erkannte, dass sie sich nur mit einem Geständnis retten konnte, und sagte ihrerseits aus, dass sie von ihrer 55-jährigen Tante Maria Chipia Barrenechea verführt worden war - so begann eine ganze Kette von Denunziationen. 14 Hexen bezichtigte man schließlich des Mordes an Kindern und Erwachsenen und diverser Schäden an Vieh und Ernte. Basierend auf baskischem Recht verzieh das Dorf den geständigen Hexen. Die Sache wäre zu Ende gegangen, wenn nicht jemand den Tatbestand an die Inquisition verraten hätte. 1609 kam deshalb ein Inquisitor des Tribunals von Logrono nach Zugarramurdi und führte eine breit angelegte Untersuchung durch, die mehrere Monate dauerte. Wiederum drehte sich die Spirale von gegenseitigen Anschuldigungen. Der Inquisitor Juan dell Valle Alvaredo hatte schließlich 282 Personen im Verdacht, Hexerei zu betreiben - in einem Dorf von 390 Einwohnern! Man beschuldigte die Verdächtigen, es waren in der Mehrzahl Frauen, schwarze Messen zu lesen, den Teufel anzubeten, mit ihm und anderen am Hexensabbat Geschlechtsverkehr zu haben - in allen nur denkbaren Variationen -, mit seiner Hilfe Gewitter zu erzeugen, sich in Vampire zu verwandeln, kleine Kinder zu verschlingen und die Kunst des Fliegens zu beherrschen. Schließlich wurden 53 Bewohnerinnen festgenommen. 31 wurden verurteilt, 11 von ihnen zum Tode durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen. Am 7. November 1810 wurden 6 Personen (4 Frauen und 2 Männer) in der Gegenwart von 30000 Schaulustigen bei lebendigem Leibe verbrannt. Die anderen 5 waren bereits im Gefängnis von Logrono gestorben. Auch ihre sterblichen Überreste wurden zum Scheiterhaufen getragen.

Zur selben Zeit wurden auf der französischen Seite des Baskenlandes die Hexen von Pierre de Lancre, einem Anwalt aus Bordeaux, verfolgt. Alle, die sich mit Volksheilkunde, Weissagungen oder ähnlichen traditionellen Praktiken beschäftigten, insbesondere Frauen, liefen Gefahr, auf dem Scheiterhaufen zu enden. De Lancre untersuchte die Verdächtigen auf Zeichen, welche der Teufel auf den Körpern der Eingeweihten hinterließ. Er musste also bloß die Zeichen finden. Ein roter Punkt im Auge zum Beispiel war das Zeichen des Teufels. Doch die meisten Zeichen waren nicht auf den ersten Blick sichtbar. Die Angeschuldigten konnten gestehen und sich auf diese Weise die brutale Körperinspektion ersparen, bevor sie bei lebendigem Leibe verbrannt wurden. Bei der Inspektion wurde der ganze Körper Zentimeter für Zentimeter mit Nadelstichen abgesucht. Floss an einer Stelle auch beim Nachstechen kein Blut, war der Beweis erbracht und die Schuldige landete auf dem Scheiterhaufen. Auf diese Weise wurden innerhalb von 5 Monaten je nach Quelle zwischen 80 und 600 Personen lebendig verbrannt.

Doch was waren die Gründe für diese Massenhysterie und warum ausgerechnet im Baskenland? Pierre de Lancre hat mehrere Erklärungen: Einerseits die jesuitischen Missionare, die von ihren Reisen in Länder wie China oder Japan vom Teufel infiziert in ihre Heimat zurückkamen (Ignatius von Loyola, der Gründer des Jesuitenordens, war Baske). Ein anderer Grund waren für ihn die Nebeneffekte des Tabaks. Die Basken waren die Ersten, die in Europa Tabak anbauten. Der Tabak mache »ihren Atem und ihre Körper so faulig riechend« und greife ihre Vernunft an. Des Weiteren waren die baskischen Frauen, die »unterentwickelte und verdammte oder überhaupt nicht lebensfähige Kinder« gebaren und die Äpfel schuld: »Die Frauen essen nichts als Äpfel, trinken nichts als Apfelsaft und das ist es, was sie so oft dazu bringt, anderen einen Biss vom verbotenen Apfel zu offerieren.«

An rauschenden Festen wie den Zeremonien in Zugarramurdi befreite man sich für eine Nacht, mit Hilfe von natürlichen psychoaktiven Substanzen wie Tollkirsche oder Alraune, von den einengenden und starren Moralvorstellungen der damaligen Kirche. Menschen, die in großer Armut lebten und vom Glück verlassen waren, kompensierten hier ihr entgangenes Leben.