PDFDruckenE-Mail

Zu Fuss durch die Pyrenäen - der Westen

1.2 Bera–Sare

Charakter

Einfache Wanderung mit einem ziemlich steilen Aufstieg auf den La Rhune. Auf spanischer Seite ist der Weg nicht immer einfach zu finden.

Varianten:

  • Von Bera kann man auch auf einem direkteren Weg, der jedoch meist auf einer geteerten kleinen Straße verläuft, den La Rhune besteigen: Vom Viertel Alzate zuerst Richtung Ibardin-Pass, um dann nach 400 Metern rechts abzubiegen und über Usategieta und Landanagieta den Gipfel zu erreichen. Diese Route ist zusammen mit der unten beschriebenen auf der Editorial-Alpina-Karte als lokale Wanderroute PR 13 eingezeichnet. Zeitersparnis: ca. 45 Minuten.
  • Anstatt zu Fuß abzusteigen mit der Bahn bis zum Col de St. Ignace fahren und von dort, nach einem Gegenanstieg von 100 Metern, nach Sare hinunterwandern. Wanderzeit St. Ignace-Sare: ca. 1 Std.
    Übernachten/Essen: Zwei Restaurants auf La Rhune.

Etappenort Sare:

siehe hier.

Höhendifferenz:

Aufstieg 860 m, Abstieg 850 m

Wanderzeit:

Ziel Zeit
Bera-La Rhune 3 Std.
La Rhune-Les Trois Fontaines 1 Std.
Les Trois Fontaines-Sare 1.20 Std.
Total: 5.20 Std.

Der im Folgenden beschriebene Aufstieg auf den La Rhune ist der auf der Alpina-Karte als PR13 eingezeichnet, aber im Gelände nur ungenügend markiert ist. Beim Lichtsignal vor dem Hotel Euskalduna folgen wir der Straße Richtung Ibardin/Lizuniaga. Nach rund 800 Metern erreichen wir den zweiten Dorfkern von Bera, Alzate, mit typisch baskischen Häusern. Das Landhaus Itzea des Schriftstellers Pio Baroja liegt 200 Meter weiter am Ausgang des Dorfes Richtung Ibardin. Es beherbergt eine Bibliothek mit 30000 Bänden, kann jedoch nicht besichtigt werden.

An der Kreuzung folgen wir dem Wegweiser Richtung Lizuniaga. 200 Meter nach der Kreuzung, wenn die Hauptstraße eine Linkskurve macht und ansteigt, biegen wir rechts in eine kleine Straße ab (weiß-gelbe Markierung). Kurz darauf überqueren wir auf einer Brücke einen Bach. In einem kleinen Weiler mit prächtigen Bauernhäusern biegen wir links ab (Wegweiser Lizuniaga), überqueren nochmals den Bach und erreichen wieder die Hauptstraße. Achtung: Hier nicht wie auf der Karte eingezeichnet nach rechts weitergehen, sondern nach links, für 30 Meter der Hauptstraße folgen und dann, zwischen zwei Häusern hindurch, nach rechts abbiegen. Nach 5 Metern nehmen wir die geteerte kleine Straße, die (sehr) steil ansteigt. Auf einem Bergrücken biegen wir links ab (die geteerte Straße endet kurz danach bei einem Haus) und folgen, unser Tagesziel La Rhune vor Augen, dem Gratweg. Wir kommen an einem alten Grabstein vorbei und gelangen nach einem kurzen Abstieg und der Überquerung eines Baches wieder auf eine geteerte Straße, der wir nach rechts 100 Meter folgen, um dann durch ein großes schwarzes Eisentor links abzubiegen (weiß-gelb markiert, bis hier ca. 1.15 Std.). Über eine Weide mit Eichen geht es bis zu einer Holzhütte, wo wir rechts abbiegen. Weiter über einen Wiesenweg, an dessen Rand Fingerhut blüht. Der rote hochgiftige Fingerhut (Digitalis purpurea) kann eine Höhe von beinahe 2 Metern erreichen. Seine Blätter werden auch zu medizinischen Zwecken verwendet. Im Gegensatz zu den Alpen, wo er kaum vorkommt, ist er in den unteren Lagen der Pyrenäen weit verbreitet. Nach einem aus zwei Bettgestellen gefertigten Gartentor halten wir auf einem Weg nach rechts. Nach 50 Metern bei einer Gabelung geradeaus und nach 30 Metern stark links folgen wir einem Wegweiser Richtung Lizuniaga. Dem breiten Weg auf roter Erde folgen wir für 20 Minuten. Bei einem Bach weist ein Pfeil nach rechts. Wir biegen hier aber nach stark links ab. Bei der nächsten Haarnadelkurve, nach weiteren 10 Minuten, verlassen wir den breiten Weg und gehen geradeaus auf einem kleinen schmalen Weg weiter bergauf (die Karte ist hier nicht von großem Nutzen). Kurz nachdem wir einen Pferdestall (Maleteko Borda) links am Weg passiert haben, erreichen wir einen anderen Weg, dem wir seinen vielen Kehren nach, zum Schluss auf einer etwas mühsamen, steinigen Unterlage, aufwärts bis zur Straße folgen. Der kleinen geteerten Straße nach erreichen wir von hier in 20 Minuten den Gipfel des La Rhune (900 m).

La Rhune, auf Baskisch Larrun, von Larre-ona, was so viel heißt wie »gute Weide«, ist ein mythischer Ort. Rund um den Berg gibt es eine Vielzahl von prähistorischen Dolmen und Steinkreisen. Der Fund einer Stele auf dem Gipfel könnte auf die Präsenz eines Druidentempels hinweisen, der im Jahre 33 durch ein Erdbeben zerstört worden sein soll. Sicher ist, dass im Laufe der Christianisierung des Baskenlandes auf der Bergspitze eine Einsiedelei errichtet wurde, für welche die vier umliegenden Gemeinden, Sare, Bera, Urrugne und Ascain, jeweils für 4 Jahre einen Eremiten ernannten, der die Einsiedelei bewohnte. Seine Aufgabe bestand in erster Linie darin, mit Gebeten unheilvolle Gewitter abzuwenden, die vom Berg in die Ebene hinunterzogen. Die Einsiedelei wurde während der napoleonischen Kriege 1814 zerstört und nicht wieder aufgebaut. Im 16. Jahrhundert, als die Einsiedelei schon verwaist war, sollen auf dem Gipfel Hexensabbate und Orgien mit über 12000 Personen stattgefunden haben (siehe auch S. 108f). Nach den Einsiedlern und Hexen zog es die Touristen auf den Berg, unter ihnen die Kaiserin Eugénie, Gemahlin von Napoleon III. Im Gedenken an diesen Besuch 1859 wurde auf dem Gipfel ein Denkmal errichtet. Einen Aufschwung erlebte der Tourismus, als 1924 nach 12-jährigen Arbeiten die Zahnradbahn eröffnet wurde. Im Zweiten Weltkrieg richtete die deutsche Armee auf dem Gipfel eine Radarstation ein. Nach dem Krieg zogen die Besucherzahlen schnell wieder an. In den letzten Jahren ließen sich über 350000 Gäste pro Jahr auf den Gipfel fahren. Kein Wunder, dass es da in den Restaurants zu Wartezeiten kommen kann.

Für den Abstieg nach Sare folgen wir zu Beginn für kurze Zeit der Straße. Beim Grenzstein Nr. 25 nehmen wir links einen Wiesenweg, der leicht links des Grates und der Grenze verläuft (wenige weiß-gelbe Markierungen). Nach wenigen Minuten haben wir den Rummel und den Lärm hinter uns gelassen. Kurz bevor der felsige Ostgrat (Athekaleun) beginnt, erreichen wir eine kleine Quelle, die Fontaine d'Urkila, die sich aber, da nicht gefasst, kaum für das Auffüllen der Wasserflasche eignet. Nach der Quelle geht es rechts vom Grat steil hinunter. Bei 680 m erreichen wir einen gut erhaltenen prähistorischen Steinkreis, bei dem wir dem Weg nicht weiter abwärts folgen, sondern unsere Wanderung nach links, leicht ansteigend, Richtung Felsgrat fortsetzen (schwache gelb-blaue Markierungen). Durch eine schmale Scharte wechseln wir auf die andere Seite des Grates. Den Hang querend erreichen wir die Ebene der Trois Fontaines (»Drei Quellen«, 543 m). Die vereinzelten Bäume erwecken den Eindruck eines Parkes. Von hier folgen wir dem gut markierten (weiß-rot) GR10 Richtung Sare. Bei einem verfallenen Steinhaus gilt es eine Abzweigung stark nach rechts nicht zu verpassen. Gleich nach dem Bach geht es wieder links abwärts. Die letzte halbe Stunde folgen wir meist einer kleinen Straße nach Sare (bask. Sara, 70 m, 2200 Einw.). Das kleine Städtchen war bis 1800 eine autonome Republik mit einem ähnlichen Statut wie Andorra. Der große Reisebus-Parkplatz deutet an, dass Sare ein beliebtes Ziel für Tagestouristen darstellt. Man schlendert durch die Straßen mit den baskischen Häusern und besucht die Kirche mit den Holzbalkonen, die einst für die Männer reserviert waren, während sich die Frauen die Messe von unten anhörten. Anschließend kauft man sich einen Gâteau basque (baskischer Kuchen), entweder mit Kirschen- oder mit Kremfüllung. Wer mehr über den Kuchen wissen will, besucht das Musée du Gâteau basque im Viertel Lehenbizkai (www.legateaubasque.com, geöffnet von Mitte Juli bis Mitte September).

Etappe 1.1 Hondarribia - Bera