Bücher zur Region
Zu Fuss durch die Pyrenäen - der Osten
12.2 Ref. Restanca–Ref. Ventosa i Calvell
Charakter:
Wanderung im alpinen Gelände. Streckenweise nur mit Steinmännchen markiert. Eine kurze Etappe, die viel Zeit für ausgedehnte Pausen auf dem Gipfel oder an den Seen lässt.
Varianten:
Den Montardo auslassen (Zeitersparnis: 1.45 Std.). In diesem Fall kann man in einem Tag auch bis Caldes de Boí oder gar bis Taüll gehen.
Übernachten:
Refugi Ventosa i Calvell, bewartet, Tel. 973 29 70 90, geöffnet von Anfang Juni bis Ende September, Matratzenlager: 11.50 Euro, www.refugiventosa.com. Das Refugi bietet auch Lunchpakete zum Mitnehmen an.
Höhendifferenz:
Aufstieg 880 m, Abstieg 680 m
Wanderzeit:
| Ziel | Dauer |
| Refugi Restanca-Coll de Crestada | 1h 30min |
| Coll de Crestada-Montardo | 1h 00min |
| Montardo-Estany des Monges | 1h 00min |
| Estany des Monges-Ref. Ventosa i Calvell | 1h 10min |
| Total: | 4h 40min |
Unmittelbar am Refugi Restanca weist uns ein Wegweiser den Weg zum Montardo. Ohne Probleme erreichen wir auf dem guten Weg (als eine Variante des GR11 rot-weiß markiert) in 40 Minuten den Lac deth Cap deth Pòrt. Wir wandern links um den See herum und danach, zum Schluss hin steiler, zum Coll de Crestada (2475 m, auch Coret d'Oelhacrestada genannt) hinauf. Auf dem Pass rückt der Estany de Monges in unser Blickfeld, hinter dem sich die Punta Alta erhebt. Wir überschreiten hier zum letzten Mal die Wasserscheide und kehren defintiv in das Einzugsbebiet des Mittelmeeres zurück.
Wir betreten an dieser Stelle den Nationalpark Aigüestortes i Estany de Sant Maurici. Der Park wurde 1955 gegründet und dann 1988 und 1996 von 9851 auf 14119 Hektar vergrößert. Mit über 200 Seen und Feuchtebenen, die von den Bächen mit vielen Mäandern durchflossen werden (daher der Name Aigüestortes - gewundene Wasser), spielt das Wasser im Schutzgebiet ein wichtige Rolle. In der von Gletschern geformten Granitlandschaft wachsen auch hier in den unteren Lagen Tannen und Waldkiefern, in den höheren Lagen die anspruchslose Bergkiefer. Von den Tieren ist am ehesten noch die Pyrenäengämse zu beobachten. Auerhahn, Schneehuhn, Hermelin usw. gibt es zwar auch, man bekommt diese scheuen Tiere aber kaum zu Gesicht. Das häufigste Reptil ist die giftige Aspisviper, von der aber keine große Gefahr ausgeht, da sie flieht, sobald sie einen Menschen sieht. Nähert sich Ihnen eine Viper, so hat sie Sie noch nicht bemerkt. Eine Bewegung genügt, um sie in die Flucht zu schlagen.
Im Park ist es verboten zu zelten und außerhalb der Hütten zu übernachten. Baden, fischen, Feuer machen oder nicht angeleinte Hunde mitzunehmen ist ebenfalls nicht erlaubt. Besucherzentren des Nationalparks gibt es in Boí und Espot, Website: www.parcsdecatalunya.net/aiguestortes.htm (katalanisch) oder www.mma.es/parques/ lared/aigues (spanisch).
Vom Pass steigen wir nur wenig ab und halten links Richtung Colomers (Wegweiser). 5 Minuten nach dem Pass biegen wir am Ende einer moorigen Wiese links auf eine deutlich sichtbare Pfadspur ab (ab hier nicht mehr rot-weiß markiert, dafür Steinmännchen). Wer will, kann hier den Rucksack deponieren - beim Abstieg werden wir hier wieder vorbeikommen. Auf dem Pfad steigen wir ohne Probleme zu einem Pass auf (2716 m). Erst hier sehen wir den Gipfel, den wir zuerst flach, später nochmals steil ansteigend über die östliche Flanke erreichen. Vom Montardo (2833 m) genießen wir eine weite Rundsicht. Unter uns liegen im Norden das Dorf Artiés und das Val d'Aran. Im Westen sind das Maladeta-Massiv und die Gipfel, die wir auf der 11. Etappe erklommen haben (Sauvegarde, Molières), sichtbar. Im Osten und Süden wird die Sicht von den Granitbergen des Aigüestortes-Nationalparkes beherrscht. Ebenfalls im Osten bemerken wir die weite Ebene des Bonaigua-Passes, der das Val d'Aran mit dem restlichen Spanien verbindet. Der Montardo ist trotz seiner bescheidenen Höhe derart dominant, dass im 19. Jahrhundert noch das ganze Massiv bis zu den Encantats nach ihm benannt wurde. Zu dieser Zeit musste man noch über einen Gletscher zum Gipfel aufsteigen. Auf der Aufstiegsroute steigen wir wieder bis zum GR11 ab. Wir folgen dem Weg nur wenige Meter nach rechts Richtung Coll de Crestada und können dann links auf einen anderen Pfad abbiegen. Kurz darauf erreichen wir das Ufer des glasklaren Estany des Monges (2420 m). Später verlassen wir den See nach links und steigen an einem kleinen See vorbei zum Estany des Mangades ab, den wir links liegen lassen (gelbe Markierungen). Um zum Refugi Ventosa i Calvell zu gelangen, gibt es danach verschiedene Möglichkeiten (auf der Karte eingezeichnet). Wir wählen die linke Variante, die uns am Fuß der Travessani-Nadeln an zwei weiteren Seen vorbei zum Estany Clot führt, an dessen südlichem Ende wir den Bach überqueren. Weit oberhalb des Estany de Travessani wandern wir sanft abwärts, bis wir den Bach erreichen, der den Travessani-See entwässert. Wir überqueren an dieser Stelle den Bach nicht, sondern halten nach links und queren bis zum Refugi Ventosa i Calvell (2220 m). Die Hütte liegt aussichtsreich oberhalb des Estany Negre. Bei vollem Haus wird auch noch das Esszimmer in einen Schlafsaal umfunktioniert.
Das Refugi Ventosa i Calvell befindet sich auf der Strecke der Carros de Foc, die alle neun Hütten des Nationalparks untereinander verbindet. So genannte Sky Runners rennen die 60 Kilometer lange Strecke mit 9200 Metern Höhenunterschied zwischen dem 30. August und dem 20. September in weniger als 24 Stunden. Jeder startet wann und wo er will. Für Wandernde, die sich mehr Zeit gönnen mögen, gibt es während der ganzen Sommersaison auch eine »Open«-Kategorie. Bei jedem Refugi bekommt man einen Stempel und zum Schluss ein kleines Geschenk. Anmeldung und Information www.carrosdefoc.com (hier auch Infos über alle Hütten des Parks).


