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Zu Fuss durch die Pyrenäen - der Osten
12.3 Refugi Ventosa i Calvell–Taüll
Charakter:
Einfache Wanderung durch verschiedene Vegetationszonen das Tal hinunter.
Varianten:
Man kann die Etappe auch in den Caldes de Boí für ein Bad oder einen Kuraufenthalt unterbrechen.Übernachten/Essen:
Caldes de Boí: Die gesamte Anlage ist nur von Anfang Juni bis Ende September geöffnet. Info zu Hotels und Bad: www.caldesdeboi.com. Hotel Manantial, modernes Gebäude mit großer Lounge und Balkon: Tel. 973 69 62 20, DZ: inkl. Halbpension: 85 Euro p. P. (im August 102.17 Euro). Hotel Caldas, im historischen Gebäude: Tel. 973 69 62 30, DZ: inkl. Halbpension: 65.65 Euro p. P. (im August 81.40 Euro). Beide Hotels haben ein Restaurant, wo aber bloß Tagesmenüs serviert werden. Den Kurgästen wird ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm geboten.
Pont de Boí:
Hostal-Restaurant Pasqual: Tel. 973 69 60 14, geöffnet von Ostern bis Ende September, DZ: 34-46 Euro.
Boí: (Supermarkt, Bank), diverse Übernachtungsmöglichkeiten, z. B. Hotel Pey, am Hauptplatz gelegen, Tel. 973 69 60 36, DZ: 58 Euro (im Hostal: 48 Euro).
Etappenort Taüll:
Höhendifferenz:
Aufstieg 300 m, Abstieg 1020 m
Wanderzeit:
| Ziel | Dauer |
| Ref. Ventosa i Calvell-Staumauer Cavallers | 1h 45min |
| Staumauer Cavallers-Caldes de Boí | 1h 00min |
| Caldes de Boí-Boí | 1h 30min |
| Boí-Taüll | 0h 45min |
| Total: | 5h 00min |
Vom Refugi Ventosa i Calvell folgen wir dem Wegweiser Richtung Cavallers. Wir überqueren den Bach, der den Travessani-See entwässert, und steigen sanft abwärts. Der Weg (mit gelben Pfosten markiert) führt uns durch eine raue, wild romantische Landschaft mit vom Gletscher geschliffenen Granitfelsen, auf denen sich hartnäckig Kiefern behaupten. Nachdem wir über einen breiten Granitrücken abgestiegen sind, überqueren wir wenig oberhalb des Talbodens den Ausfluss des Estany Negre auf einer Holzbrücke. Kurz darauf lassen wir die Abzweigung zum Besiberri rechts liegen und wandern flach das Tal hinaus und anschließend dem Stausee Estany de Cavallers entlang bis zur mächtigen Staumauer (1783 m). Seit den 1950erJahren nutzt die Firma ENHER die Wasserkraft im Boí-Tal. Der Einzug der Kraftwerkbetreiber und der Bau der Straße von Pont de Suert bis zum Stausee hat das Leben im abgeschiedenen Tal stark verändert.
Bei der Staumauer folgen wir dem Weg noch für 100 Meter geradeaus und biegen dann rechts ab, auf einen Fußweg, der hinunterführt. Wir erreichen einen Parkplatz, auf dem wir nach rechts zur Staumauer zurückgehen. Am Ende des Parkplatzes können wir über eine Metalltreppe bis an den Fuß der Mauer hinuntersteigen. Über einen weiteren Parkplatz gelangen wir zur Straße, der wir, an den verlassenen Gebäuden der ENHER vorbei, bis zur ersten Haarnadelkurve folgen. Hier verlassen wir die Straße, steigen noch ca. 30 Meter ab, überqueren danach den Bach und erkennen auf der großen Wiese wieder den Fußpfad (wieder mit gelben Pfosten markiert). Der Weg folgt nun immer dem Noguera de Tor, der trotz Staumauer noch einen sehr lebendigen Eindruck macht. Kurz hinter einem Jugendcamp kommen wir zur Straße zurück. Hier steht ein kleines Info-Center der Parkverwaltung, welches zur Hauptsaison Informationen verteilt und Fragen beantwortet. Von hier wandern wir in wenigen Minuten auf der Straße bis zu den Caldes de Boí (1470 m). (Auf den Karten ist auch ein Weg auf der anderen Flussseite eingezeichnet, der jedoch nicht mehr begehbar ist.) Auch wer gleich weiter wandern möchte, sollte bei den Caldes de Boí den Fluss überqueren, um die Wanderung auf rechten Flussseite fortzuführen.
Die Caldes de Boí, vermutlich bereits von den Römern benutzt, sind heute ein nobles Thermalbad. Im 24 Hektar großen Park gibt es zwei Hotels. Das einfachere Hotel Caldes ist in einem historischen Gebäudekomplex aus dem 17. Jahrhundert untergebracht. Im selben Komplex, der von den Herren von Erill erbaut wurde, befindet sich auch die Kirche Mare de Déu de Caldes. Daneben steht das weitaus größere und moderne Viersternehotel El Manantial. Für die Hotelgäste stehen ein Freibad mit diversen Becken, ein Hallenbad, eine Minigolfanlage usw. zur Verfügung. Im öffentlich zugänglichen Park befinden sich gleich mehrere der insgesamt 37 Quellen, die eine Temperatur zwischen 4 und 56 Grad Celsius aufweisen. Auch das eigentliche Bad (geöffnet von 8 bis 13.30 und 17 bis 20 Uhr) steht Tagesbesuchern offen. Zum Beispiel kann man für die allgemeine Entspannung einen so genannten »Circuit Termalico« machen, in dem man durch Dampfbäder, Jacuzzis und diverse Duschen geschleust wird. Mehr Infos auf www.caldesdeboi.com.
Um auf den Weg Richtung Boí zu gelangen, muss man durch die Parkanlage gehen. An ihrem unteren Ende beginnt der breite Weg (Wegweiser Fonts Ferro). Kurz darauf weist uns eine Infotafel den Weg nach Erill la Vall. Unmittelbar bei dieser Tafel gehen wir links. Wir kommen ganz in der Nähe der Anlange vorbei, in der das Thermalwasser in Flaschen abgefüllt wird. Bei einer Abzweigung halten wir nach rechts und steigen einige Meter aufwärts (rote Markierungen). Auf einer Holzbrücke überqueren wir den Barranc de la Montanyeta, halten 100 Meter danach bei einer Abzweigung nach links und wandern durch einen Buchsbaumwald weiter das Tal hinaus. Später kommen wir aus dem Wald heraus. Nach links wird der Blick frei ins Tal von Sant Nicolau. Unmittelbar nach einer Bachüberquerung gehen wir links hinunter (immer noch rot markiert) und folgen der Stromleitung. Beim Pont de Boí erreichen wir das Hostal-Restaurant Pasqual. Wir überqueren die Brücke und folgen danach der Straße nach rechts, auf der wir nach einer Viertelstunde Boí (1263 m, span. Bohi) erreichen. Der alte Dorfkern liegt gut versteckt hinter neueren Bauten. Dennoch sollte man hier einen kurzen Halt einlegen, um die neu eröffnete Casa del Parc und die romanische Kirche zu besuchen. Der Eingang zum Nationalparkhaus befindet sich hinter dem Stadttor in der kleinen Altstadt. Im Haus wird eine Ausstellung zu Flora und Fauna der Pyrenäen gezeigt, diverse Führer und Karten sind erhältlich. Das Personal gibt kompetent Auskunft.
Boí und das ganze Tal liegen im Landkreis (Comarca) Alta Ribagorça, mit einer Bevölkerungsdichte von bloß 8,5 Personen pro Quadratkilometer. Alle Dörfer des Tals sind zu einer politischen Gemeinde zusammengefasst (Vall de Boí), die rund 900 Einwohner zählt. Der Landkreis wurde zwar erst 1988 geschaffen, doch die Grafschaft Ribagorça ist seit dem 9. Jahrhundert bekannt, als das Gebiet unter die Fittiche des Grafen Wilhelm von Toulouse, eines Cousins von Karl dem Großen, kam. Als eine der wenigen Regionen Spaniens war das Gebiet nie von den Mauren besetzt, sondern bloß bis ins Jahr 806 für eine kurze Zeit tributpflichtig. Als der Einfluss der Frankenkönige zurückging, wurde die Grafschaft unabhängig und gehörte später abwechselnd zu Aragón, Navarra und zur Grafschaft Barcelona. Wie alte Namen belegen (z. B. der Berg Besiberri) war das Gebiet ursprünglich von einer baskisch-pyrenäischen Bevölkerung bewohnt, zu der sich aber immer mehr Siedler hispanoromanischen Ursprungs gesellten. Bis ins 11. Jahrhundert sprach man hier noch Baskisch.
Weitherum bekannt ist das Tal für seine romanischen Kirchen. Es ist schon verwunderlich, wie in einem derart abgelegenen Tal derart viele herausragende Kunstwerke geschaffen werden konnten. Das Tal profitierte vom plötzlichen Reichtum, welcher der Grafschaft durch die Beteiligung an der aragonesischen Rückeroberung von Zaragoza und anderen Städten am Ebro zu Beginn des 12. Jahrhunderts zufiel. Bei den Kirchen handelt es sich zwar um relativ einfache Dorfkirchen aus dem 12. Jahrhundert, einer Zeit, in der dieser Baustil in anderen Gegenden bereits nicht mehr in Mode war, doch sind insbesondere die Fresken, die zu den bedeutendsten der ganzen Pyrenäen gehören und zu großen Teilen erhalten werden konnten, einzigartig. Man bekommt hier eine Vorstellung davon, wie romanische Kirchen aussahen, als sie noch bemalt waren. Neun der Kirchen sind seit dem Jahr 2000 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. In Erill la Vall soll schon bald ein Besucherzentrum entstehen. Doch bereits heute bewirkt das UNESCO-Label stetig steigende Besucherzahlen.
Die Kirche Sant Joan de Boí (Eintritt) gehört zum Weltkulturerbe und beherbergt einige Fresken. Was heute sichtbar ist, sind jedoch Reproduktionen. Die Originale befinden sich, wie im Fall der Kirchen von Taüll, im Katalanischen Kunstmuseum in Barcelona. Die Farben, die in Boí verwendet wurden, hatten noch nicht die Qualität wie diejenigen in Taüll. Im Gegensatz zu den anderen Kirchen sind dafür hier auch noch Fresken an der Außenwand erhalten.
Vom Hauptplatz folgen wir noch wenige Meter der Hauptstraße, um danach links abzubiegen (bis Taüll rot-weiß markiert). Wir kreuzen im Dorf nochmals die Straße und gehen danach auf einem alten Fußweg bergan. Der Weg führt beim Aufstieg nochmals an der Straße vorbei, kürzt danach weitere Kehren ab und mündet erst kurz vor dem Dorf wieder auf die Straße. Hier folgen wir ihr nach rechts und gelangen kurz nach dem Campingplatz zur Kirche San Climent de Taüll, die dem Dorf vorgelagert ist.
Sant Climent de Taüll (Eintritt) ist wohl die schönste und bekannteste aller Kirchen des Boí-Tales. Sie wurde am 10. Dezember 1123 geweiht und wird von ihrem schlanken, sechsstöckigen Turm überragt. Der Bau ist eine einfache, dreischiffige Basilika ohne Querschiff. Die Freske (bzw. die Kopie) in der Hauptapsis ist ein Höhepunkt der romanischen Malerei. Dargestellt wird ein Christus Pantokrator (»Allherrscher«). In seiner linken Hand trägt er ein Buch mit der Inschrift Ego Sum Lux Mundi (»Ich bin das Licht der Welt«). Rechts und links von ihm stehen die Buchstaben Alpha und Omega, Symbol dafür, dass Christus der Beginn und das Ende aller Dinge ist. Die Farben von außerordentlicher Qualität wurden importiert. Um den besten Effekt zu erreichen, wurden sie in mehreren Schichten aufgetragen.
Von Sant Climent sind es nur noch wenige Meter bis ins Dorf Taüll (1500 m). Hier wurde in den vergangenen Jahren massiv investiert. Am Dorfrand stehen viele Neubauten, der alte Kern wurde zu großen Teilen renoviert.
Die Pfarrkirche Santa Maria wurde nur einen Tag nach Sant Climent, am 11. Dezember 1123, geweiht. Der Grundriss ist demjenigen von Sant Climent sehr ähnlich, doch war die Kirche lange Zeit mit barocken Seitenkapellen verstellt und die Fresken waren nicht sichtbar. Mit der Renovation wurde ihr ursprünglicher Zustand wiederhergestellt. Im Gegensatz zu anderen Kirchen, wo nur die Apsiden mit Fresken bemalt sind, waren hier anscheinend alle Wände und auch die Säulen bemalt. Vieles ist noch erhalten, unter anderem die Hauptapsis mit der Mutter Gottes und den drei Königen.


